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Herausforderungen

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Bei der Reform der Südtiroler Gesundheitsversorgung gilt es einer alternden Gesellschaft und der darauf zurückzuführenden Zunahme von chronischen Erkrankungen, den veränderten Erwartungen der Patientinnen und Patienten, dem Mangel an Fachärztinnen und Fachärzten sowie den geänderten rechtlichen Rahmenbedingungen Rechnung zu tragen.

Alternde Gesellschaft und Zunahme chronischer Erkrankungen

Die Alterung der Bevölkerung schreitet mit großen Schritten voran, so wird in der Bevölkerungsstatistik für das Jahr 2030 bereits mit einer Anzahl von 140.000 Über-65-Jährigen in Südtirol ausgegangen.

Für die Gesundheitsversorgung bedeutet dies ein erhebliches Mehr an Empfängerinnen und Empfängern von medizinischen Leistungen, zumal bereits heute die 28 Prozent chronisch kranken Patientinnen und Patienten insgesamt 77 Prozent der Leistungen in Anspruch nehmen. Angesichts dieser Entwicklungen ist es ein Muss, die medizinische Versorgung der Menschen mit chronischen Erkrankungen dorthin zu verlagern, wo sie sie am dringendsten benötigen: nicht als Akutversorgung im Krankenhaus sondern als fortwährende stabile Versorgung in ihre Wohnortnähe.

Laut Landesamt für Statistik (Astat) leidet bereits heute jeder/jede dritte Südtiroler/Südtirolerin mit einem Lebensalter von über 65 Jahren an einer schweren chronischen Krankheit. Werden diese Zahlen mit jenen der steigenden Lebenserwartung kombiniert, kann erahnt werden, welche Aufgaben auf des Südtiroler Gesundheitssystem zukommen.
Ein Südtiroler, der 2012 geboren wurde, hat eine um 10,5 Jahre höhere Lebenserwartung als ein im Jahr 1982 geborener. Die Lebensdauer der Südtiroler und Südtirolerinnen, die im Jahre 2012 bereits 65 Jahre alt waren, hat sich ebenfalls verlängert. Bei den Männern um 6,7 Lebensjahre, bei den Frauen um 4,9 Jahre. Dazu kommt, dass der Anteil der über 65-jährigen in der Bevölkerung in den kommenden Jahren und Jahrzehnten stark ansteigen wird, da die geburtenstarken Jahrgänge der 60er-Jahre dieses Alter erreichen werden. Außerdem muss dem technischen und wissenschaftlichen Fortschritt sowie den veränderten Bedürfnissen und Erwartungen der Bevölkerung Rechnung getragen und die Gesundheitsversorgung entsprechend angepasst werden.

Geänderte Erwartungen

In letzter Zeit haben sich die Erwartungen der Patientinnen und Patienten an die Gesundheitsversorgung geändert: Viele Menschen wollen nicht nur die beste medizinische Leistung überall und sofort, sie erwarten sich dies auch vom öffentlichen Gesundheitssystem. Die Informationsgesellschaft („Dr. Google“) befördert zudem die Selbstdiagnose. Deshalb hinterfragen die Patientinnen und Patienten heute häufiger und intensiver die Leistungen und Ergebnisse der medizinischen Behandlungen, die Forderung nach einer Zweit- und Drittdiagnose wird immer mehr zu einer Normalität. Die Fortschritte in Forschung und Innovation werden zudem dazu führen, dass wir zunehmend mehr personalisierte Leistungen anzubieten haben, die einen viel größeren Kostenaufwand bedeuten.

Mangel an Fachärztinnen und Fachärzten

Wie in ganz Europa zeigt sich auch in Südtirol ein akuter Bedarf an Fachärztinnen und Fachärzten. Dies ist darauf zurückzuführen, dass einerseits mit der Alterung der Bevölkerung ein wachsender Bedarf an medizinischen Leistungen einhergeht, andererseits altert die Ärzteschaft selber und ein entsprechender Nachwuchs an jungen Ärztinnen und Ärzten ist nicht ausreichend vorhanden.

Eine zentrale Herausforderung ist daher für die kommenden Jahre die Facharztausbildung. Hierfür brauchen wir Maßnahmen für den Zugang zum Medizinstudium und für die Spezialisierung, welche den Bedürfnissen der Ärztinnen und Ärzte, vor allem aber den Notwendigkeiten unseres Gesundheitssystems Rechnung tragen. Das Ausbildungsangebot muss weitgehend attraktiver gestaltet werden.

Geänderte rechtliche Rahmenbedingungen

Die Neuorganisation der Gesundheitsversorgung kann nur im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben erfolgen, wobei zu unterstreichen ist, dass der „Schutz der Gesundheit“ wie überall in den europäischen Ländern in primärer Kompetenz des Staates liegt. Dem vorliegenden Konzept liegen folgende Vorgaben zugrunde:

  • das Abkommen der Konferenz des Staates, der Regionen und der Autonomen Provinzen vom Dezember 2010 betreffend die „Richtlinien zur Förderung und Qualitätsverbesserung Gesundheitsversorgung Südtirol 2020 12/30 der Sicherheit und Angemessenheit in der Betreuung von Geburten und zur Herabsetzung der Geburtenanzahl mit Kaiserschnitt“
  • Gesetz vom 7. August 2012, Nr. 135 – Definition der qualitativen, strukturellen und technologischen Standards in der Krankenhausbetreuung
  • der „Gesundheitspakt 2014-2016“ („Patto della salute“ 2014-2016) vom Juli 2014
  • die „Verordnung betreffend die qualitativen, strukturellen, technologischen und quantitativen Standards der Krankenhausversorgung“, welche von der Staat-Regionen-Konferenz im August 2014 genehmigt wurde.

Konzept der Reform Gesundheit2020 lesen

Das gesamte Konzept der Reform Gesundheit2020 finden Sie hier als PDF [1,5 MB]