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Initiativen | 22.02.2016 | 14:03

Welche Stimme hatte Ötzi?

Vom Fachbeirat für den Mann aus dem Eis des Südtiroler Archäologiemuseum wurde ein Forschungsprojekt genehmigt, dass das ehrgeizige Ziel verfolgt, Ötzi, der berühmten Mumie, eine „Stimme“ zu verleihen.

Dr. Francesco Avanzini, Dr. Rolando FüstösZoomansichtDr. Francesco Avanzini, Dr. Rolando Füstös

Die Initiatoren dieser Studie sind Dr. Francesco Avanzini, Verantwortlicher des Ambulatoriums für Phoniatrie und Dr. Rolando Füstös, Primar der HNO-Abteilung des Landeskrankenhauses Bozen, mit tatkräftiger Unterstützung von Dr. Eduard Egarter-Vigl, wobei letzterer bereits seit Jahren auf dem Gebiet der Forschung über den Mann aus dem Eis tätig ist. Die Idee, die auf den ersten Blick extravagant scheint, wurde jetzt als geplantes Forschungsprojekt konkretisiert.

Dank der guten Zusammenarbeit mit Prof. Piero Cosi, derzeitiger Koordinator des Instituts für Wissenschaft und Technologie der Kognition des nationalen Forschungsinstituts (CNR) an der Universität von Padua, renommierter Forscher und seit Jahren engagiert in der Ausarbeitung von Stimmlauten. Die Besonderheit dieser Studie liegt darin, dass an der Mumie keine weiteren, zusätzlichen invasiven Untersuchungen mehr durchgeführt werden müssen.

In der Tat, durch das Scannen und Bearbeiten der Röntgenbilder (CT), die an Ötzi bereits ausgeführt wurden und freundlicherweise von Frau Dr.in Pernter, vom Dienst der Radiologie des Krankenhauses Bozen, zur Verfügung gestellt wurden, wird es möglich sein eine ziemlich zuverlässige Bestimmung des Stimmkanals, beziehungsweise einen „Resonanzboden“ von Ötzi zu erhalten. Anschließend kann dann mittels einer ausgearbeiteten Software, in Besitz des Institutes geleitet von Prof. Piero Cosi, der Wert der Formanten bestimmt werden, das heißt die Verteilung der akustischen Energie und des Vokalklangs, der in diesem Fall mit Hilfe von Sprachsynthesizern rekonstruiert wird. In Zukunft können die BesucherInnen des Museum nicht nur die Mumie bewundern, sondern auch ihre „Stimme“ hören, die im Labor wiederhergestellt wurde.

Das ist die erste Studie dieser Art, die auf einer Mumie durchgeführt wird. Die Forscher werden sich mit verschiedenen Problematiken, die noch nie zuvor vorgekommen sind, auseinandersetzen müssen: zum Beispiel die bekannte Position von Ötzi, der mit einem Arm den Hals verdeckt und wahrscheinlich diesen Teil des Körpers dadurch verändert hat oder die Mumifizierung, die aufgrund des Fehlens von Flüssigkeiten die Durchführung von Magnetresonanzen verhindert hat und sicherlich weitere Schwierigkeiten, die sich im Laufe des Projektes ergeben werden.

Wieder einmal ermöglicht es uns die Wissenschaft ein weiteres Stück des geheimnisvollen Mannes aus dem Eis zu ergründen.

(WV)



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