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Optimierung der betrieblichen Organisation und Prozesse

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In der ersten Phase des Reformprozesses erfolgte eine detaillierte Erhebung und Analyse der verschiedenen Ebenen der Leistungserbringung im Südtiroler Gesundheitssystem. Sowohl die eingesetzten Arbeitsgruppen, die Verantwortlichen in den Gesundheitsbezirken, aber auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Betriebes sowie verschiedenste Vereinigungen und Organisationen haben Vorschläge zur Verbesserung der Organisation eingebracht. Diese Vorschläge wurden in einem insgesamt über 150 Maßnahmen umfassenden Katalog erfasst. Der Maßnahmenkatalog stellt eine zentrale Arbeitsgrundlage für die Umsetzungsphase der Neuorganisation dar.

Einnahmen generieren, Versicherungen einfordern

Auf Landesebene wurden für bestimmte Leistungen so genannte Extra–WBS (Wesentliche Betreuungsstandards) in Ergänzung zu den staatlichen WBS eingeführt. Dies hat dazu geführt, dass das Land zusätzliche Kosten für die von den Patientinnen und Patienten in Anspruch genommenen Leistungen trägt (z.B. bezahlt ein Erwachsener aufgrund des Extra-WBS in Südtirol für die sportärztliche Visite 36,15 Euro, in Italien bezahlen Erwachsene stattdessen größtenteils 60 Euro). Die Kosten für bestimmte Leistungen in Südtirol sollen in Zukunft den staatlichen WBS angepasst bzw. diesen angenähert werden.

Die Notfallaufnahmen (Erste Hilfe) der Krankenhäuser, insbesondere des Zentralkrankenhauses Bozen, werden unverhältnismäßig oft von Patientinnen und Patienten in Anspruch genommen, deren Versorgungsbedarf vom Arzt für Allgemeinmedizin abgedeckt wäre. Allein im Krankenhaus Bozen werden ca. 70 Prozent aller Leistungen der Notfallaufnahme diesen nicht dringenden Fällen (sogenannte weiße und grüne Kodexe) zugeordnet. Dazu kommen die nachfolgenden Leistungen in den Facharztambulatorien, die einen geregelten Ablauf und eine klare Leistungsorganisation der Ambulatorien deutlich erschweren. Die aktuellen Regelungen der Kostenbeteiligung für diese Inanspruchnahme entsprechen nicht den Prinzipien der angemessenen Versorgungsleistungen. Es gibt in Südtirol wie in Italien Patientinnen und Patienten, welche aufgrund des Krankheitsbildes und des Alters von der Bezahlung des Tickets befreit sind. In Südtirol wurden zudem erweiterte Ticketbefreiungen eingeführt (z.B. Kodex 99 - Ticketbefreiung für Bedürftige). Im Rahmen der Reorganisation wird dies überdacht und ein neues System der Kostenbeteiligung für die Notfallaufnahmen der Krankenhäuser eingeführt und/bzw. der Zugang zur Notaufnahme verändert.

Derzeit werden sämtliche Transportkosten von Südtirolerinnen und Südtirolern mittels Flugrettung, auch bei Freizeitunfällen, vom Landesgesundheitsdienst getragen. Es wird lediglich das so genannte "Ticket" (Mitbeteiligung bei gerechtfertigten Einsätzen im Ausmaß von 100 Euro) den Menschen in Rechnung gestellt, für die keine generelle Ticketbefreiung vorliegt. Insgesamt kosten diese Freizeitunfälle der Südtiroler Bevölkerung etwa zwei Millionen Euro jährlich. Ausländische Patientinnen und Patienten müssen dagegen die Kosten selbst und vollständig übernehmen bzw. die Kosten werden ihren Kassen bzw. Versicherungen (öffentlich oder privat) verrechnet. Es besteht somit auch eine Ungleichbehandlung, welche nicht EU-konform ist. Durch die Weiterverrechnung der Flugrettungskosten bei Freizeitunfällen an die Südtiroler Patientinnen und Patienten können Einnahmen erzielt werden, die in den allermeisten Fällen durch Privatversicherungen abgedeckt sind. Zudem ist auch zu prüfen, inwieweit bodengebundene Krankentransporte mit Rettungswägen, welche für Einsätze aufgrund von Freizeitunfällen notwendig sind, der Bevölkerung in Rechnung gestellt werden könnten. Die gesamte Erhebung zu den Rettungstransporten bei Freizeitunfällen liegt im ersten Halbjahr 2015 vor.

Konzept der Reform Gesundheit2020 lesen

Das gesamte Konzept der Reform Gesundheit2020 finden Sie hier als PDF [1,5 MB]