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Zertifizierung der Tumorchirurgie

Die Diagnose einer Krebserkrankung ist eine existentielle Bedrohung für alle Betroffenen. In Südtirol sterben daran jährlich ungefähr 1.400 Menschen. Es ist Aufgabe des öffentlichen Gesundheitssystems für diese bedrohlichen Erkrankungen das bestmögliche Betreuungsangebot bereitzustellen.

Aus diesem Grund wurde am 28. Jänner 2013 das Zertifizierungsmodell für die Tumorchirurgie von der Südtiroler Landesregierung verabschiedet. Dabei werden Wege beschritten, die im europäischen Umfeld auf der Basis der nachgewiesenen Wirksamkeit bereits Standard sind.

Eckpfeiler

Um eine Zertifizierung nach internationalen Kriterien zu erreichen, müssen unter anderem folgende Eckpfeiler berücksichtigt werden:

  • Fallzahlen für jedes Krankheitsbild (Mengenqualität)
  • Fallzahlen für jeden Operateur, der ein definiertes Krankheitsbild chirurgisch versorgt (individuelle Qualität)
  • Kennzahlbogen, in dem für jedes Krankheitsbild die spezifischen Qualitätskriterien definiert sind
  • Tumor Board (Arbeiten im Netzwerk mit Spezialisten aus unterschiedlichen Fachbereichen).

Wenn einer dieser Eckpfeiler nicht eingehalten wird ist eine Zertifizierung nach europäischen Kriterien nicht möglich.


Was sind die Vorteile?

  • Die Überlebensrate steigt
    Angenommen die Überlebensrate der Krebspatientinnen und -Patienten steigt durch die Einführung der onkologischen Zertifizierung um 5%, so überleben pro Jahr in Südtirol zusätzlich ca. 70 Menschen.
  • Wohnortnahe Betreuung
    Die Betreuung der erkrankten Patientinnen und Patienten soll wohnortnah erfolgen: Diagnostik, die postoperative Nachbetreuung mit Chemotherapie, die onkologische Rehabilitation, die regelmäßigen Follow-Up Kontrollen werden unter Einhaltung der Zertifizierungskriterien in allen Krankenhäusern durchgeführt.
  • Arbeiten im Netzwerk – „Tumor Board“
    Durch das Arbeiten im Netzwerk entsteht eine Form intensiver Zusammenarbeit zwischen den unterschiedlichen Spezialisten, sowie ein reger Gedanken- und Erfahrungsaustausch unter den sieben Krankenhäusern, den wir stärken und intensivieren wollen.

Wer wird was anbieten?

  • Radikale Prostatektomie, Nieren- oder Blasenkarzinom
    Abteilungen für Urologie in den Krankenhäusern von Bozen, Brixen und Meran
  • Hodenkarzinom
    Abteilungen für Urologie am Krankenhaus Bozen, in Brixen und Meran für den ersten chirurgischen Eingriff, Nachbetreuung in Bozen
  • Kolonkarzinom
    Abteilungen für Allgemeine Chirurgie in Bozen, Brixen, Meran und Bruneck
  • Rektumkarzinom
    Abteilungen für Allgemeine Chirurgie in Bozen, Brixen und Meran
  • Pankreaskarzinom
    Abteilung für Allgemeine Chirurgie in Bozen
  • Magenkarzinom
    Abteilungen für Allgemeine Chirurgie in Bozen, Bruneck und Meran
  • Leberkarzinom
    Abteilungen für Allgemeine Chirurgie in Bozen und Meran
  • Speiseröhrenkrebs
    Keine Abteilung des Südtiroler Sanitätsbetriebs erreicht derzeit den international festgelegten Schwellenwert für die Speiseröhrenchirurgie.
  • Schilddrüsenchirurgie
    Abteilungen für Allgemeine Chirurgie in Bozen und Meran
    Die Patientenflüsse zwischen dem Pustertal und dem Eisacktal im Bereich der Schilddrüsenchirurgie weisen beträchtliche Schwankungen auf. Deshalb erscheint es angebracht, im Jahr 2015 die Fälle des Bienniums 2013-2014 zu überprüfen, um zu festzulegen, ob die Abteilung für Allgemeinchirurgie in Brixen oder Bruneck zertifiziert wird.
  • Neoplasien im Kopf- und Halsbereich
    Hals-Nasen-Ohren-Abteilung in Bozen
  • Karzinome des weiblichen Genitals
    Abteilungen für Gynäkologie in Bozen und Schwerpunktkrankenhaus Meran
  • Mammakarzinom
    Errichtung des Südtiroler Brustgesundheitszentrums (siehe Anlage C), bestehend aus der Abteilung für Allgemeinchirurgie von Bozen und den Gynäkologien der Schwerpunktkrankenhäuser Meran, Brixen und Bruneck.

Häufige Fragen

  1. Wer ist für die Zertifizierung verantwortlich?
    Das Projekt wird von der Sanitätsdirektion koordiniert (Dr. Oswald Mayr und Dr. Luca Armanaschi) und durch ein Wissenschaftliches Komitee und eine Projektgruppe begleitet.
  2. Ab wann gilt das Zertifizierungssystem?
    Die Zertifizierung soll 2013 umgesetzt werden. Ab 1. Jänner 2014 können die Abteilungen in Brixen, Bruneck, Meran und Bozen, welche zertifiziert sind, die tumorchirurgischen Eingriffe durchführen.
  3. Was passiert in den Grundversorgungskrankenhäusern?
    Die Grundversorgungskrankenhäuser von Schlanders, Sterzing und Innichen dürfen die chirurgischen Leistungen, die sich auf die im  Zertifizierungssystem vorgesehenen Tumore beziehen, nicht mehr erbringen: sie werden jedoch akkreditierte Netzwerkpartner und sind als solche für die Nachbetreuung zuständig. Auch Chirurgen aus Sterzing, Innichen oder Schlanders können operieren, sofern sie die professionellen Anforderungen, wie sie im Zertifizierungssystem vorgesehen sind, erfüllen. Die Eingriffe erfolgen in den zertifizierten Abteilungen von Meran, Brixen und Bruneck und Bozen.

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