Departement für Gesundheitsvorsorge

Zecken und durch sie übertragbare Infektionskrankheiten

In Südtirol kommen Zecken in vielen Wäldern vor, in der Umgebung von Bozen, im Unterland und im Überetsch, im Etschtal und im Vinschgau, vereinzelt im Eisacktal von Bozen bis Sterzing und sporadisch im Pustertal z.B. Taufers.

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Zecken gehören zu den Spinnentieren und sind keine Insekten, wie oft fälschlich angenommen. Zecken kommen weltweit vor, es gibt ca. 800 verschiedene Arten. In Mitteleuropa und auch in weiten Teilen Südtirols kommt am häufigsten die Zeckart „Ixodes ricinus“, im Volksmund auch Holzbock genannt, vor.

Ixodes ricinus kommen in feucht-warmen und schattigen Wäldern auf einer Meereshöhe von bis zu 900 m vor allem an Wegrändern vor, und sie können zahlreiche wildlebende Tiere, aber auch Haustiere befallen. Nur gelegentlich wird der Mensch befallen. I. ricinus verbringen den überwiegenden Teil ihres Lebens im Freien am Boden oder in der Vegetation, sie sind äußerst widerstandsfähig und können über eine lange Zeit ohne Nahrung überleben. In der kalten Jahreszeit suchen sie Schutz unter dem Laub, in der Erde, unter Rinden und verharren dort in Winterruhe.

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Zecken nehmen ihre Wirte bereits auf einer Entfernung von 100 m wahr. Rezeptoren ermöglichen es der Zecke, Temperatur, Duftstoffe und chemische Substanzen wie Kohlendioxid u.a. organische Komponenten wahrzunehmen, die im Atem oder Schweiß ihrer Wirte vorkommen. Gelingt es ihnen, sich an einem vorbeistreifenden Wirtstier beim Fell oder an der Kleidung oder Haut des Menschen festzuhalten, können sie sich mühelos eine sichere Saugstelle aussuchen. Beim Krabbeln auf der Körperoberfläche lösen sie keinen Juckreiz oder Kitzel aus, da die Gelenke der Zecken wie „Stoßdämpfer“ wirken und so kann die Zecke auch stundenlang eine geeignete Ansatzstelle suchen.

Der Speichel der Zecken enthält gerinnungshemmende und betäubende Substanzen, weshalb ein Zeckenstich nur selten bemerkt wird. Wenn die Zecke beim Saugen gesichtet wird, ragt sie wie ein dunkles Gebilde aus der Haut, das häufig mit einer Warze oder einem Fremdkörper verwechselt wird. Zecken stechen den Menschen besonders gerne in die Kniekehlen, unter den Armen, im Nacken, am Haaransatz oder hinter dem Ohr.

Die wichtigsten durch I. ricinus übertragbaren Infektionskrankheiten

  • Die Lyme-Borreliose
    Die Erkrankung beginnt häufig 2-4 Wochen nach dem Zeckenstich mit einer an der Einstichstelle sich kreisförmig ausdehnenden, schmerzfreien Rötung (Erythema migrans, Wanderröte). Dieses Krankheitsbild heilt durch eine antibiotische Behandlung innerhalb eines Monats ab. Bleibt die Infektion unbemerkt oder unbehandelt, kann es nach Wochen oder Monaten zu einer Entzündung der Gelenke, der Muskeln, des zentralen oder peripheren Nervensystems oder zu Herzrhythmusstörungen kommen. Nach Monaten bis Jahren kann es zur chronischen Entzündung einzelner oder weniger Gelenke, zur chronischen Gehirn- oder Rückenmarksentzündung oder zur Hautatrophie an Armen und Beinen kommen. Gegen die Lyme-Borreliose gibt es bisher keine Schutzimpfung.
  • Frühsommer - Meningoenzephalitis (FSME)
    7-14 Tage nach dem Zeckenstich kommt es zu einer uncharakteristischen fieberhaften Erkrankung (bis 39 °C). Das Fieber klingt nach 1–8 Tagen meist wieder ab. Bei etwa 1/3 der Infizierten tritt nach einem fieber- und symptomfreien Intervall von ca. einer Woche eine weit schwerere, zweite Erkrankungsphase mit hohem Fieber (bis über 40 °C), Kopfschmerzen, Nackensteife, Entzündung der Hirn- und Rückenmarkshäute und des Gehirns auf. Der klinische Verlauf ist altersabhängig, im Kindes- und Jugendalter ist er meist gutartig, bei Erwachsenen und vor allem bei älteren Personen kann es zu Komplikationen wie lang andauernde Kopfschmerzen, Lähmungen, epileptischen Anfällen oder zu psychischen Auffälligkeiten kommen. Gegen die Erkrankung gibt es derzeit keine spezifische, sondern nur eine symptomatische Behandlung. Es ist jedoch möglich vorbeugend eine Schutzimpfung durchzuführen.

Verhaltensregeln in Risikogebieten speziell für Kindergarten und Schulen

Häufig wird die Frage gestellt, ob man mit Kindern in Wäldern spazieren gehen kann, wo Zecken vorkommen. Prinzipiell kann man sich in allen Wäldern Südtirols aufhalten, auch in jenen, wo eine Zeckengefahr besteht. Wälder sind ideale Erholungszonen für Jung und Alt und ebenso ideal für Lehrausflüge. In
Wäldern, wo Zecken vorkommen, ist jedoch erhöhte Vorsicht geboten. Es ist unbedingt zu vermeiden, entlang der Wegränder zu gehen und dabei die Gräser abzustreifen, denn gerade dort befinden sich die Zecken, die dort auf ihre Wirte lauern. Wenn Schul- oder Lehrausflüge organisiert werden, sollten die Kinder paarweise oder in einer Reihe in der Wegmitte gehen. Vor dem Ausflug sollte in einem klärenden Gespräch dieses Thema behandelt und den Kindern und Eltern klare Anweisungen erteilt werden.

Nach dem Ausflug sollte zu Hause, als zusätzliche Sicherheitsmaßnahme, der ganze Körper und auch die behaarte Kopfhaut auf Zecken abgesucht werden.


Infektionskrankheiten vorbeugen