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Südtiroler Sanitätsbetrieb | 30.11.2021 | 18:19

Sensibilisierungskampagne zur Verbesserung der Arzt-Patienten-Beziehung

In Arztpraxen und Krankenhäusern treffen Patientinnen, Patienten und Ärztinnen, Ärzte aufeinander, die abweichende Erwartungen und Wünsche an das Gegenüber haben.

Foto: Institut für AllgemeinmedizinZoomansichtFoto: Institut für Allgemeinmedizin

Die für eine gelungene Visite relevanten Aspekte, wie die Gesundheitskompetenz, der Eigenbeitrag oder die Selbstinformation, werden von Ärztinnen und Ärzten anders eingeschätzt, als von ihren Patientinnen und Patienten. Die deutliche Asymmetrie in der Arzt-Patienten-Beziehung bestätigt eine Studie, die von der Freien Universität Bozen und der Südtiroler Akademie für Allgemeinmedizin SAKAM, weitergeführt vom Institut für Allgemeinmedizin und Public Health der Claudiana, in Zusammenarbeit mit der Forschungseinrichtung Apollis durchgeführt wurde.

Die Ergebnisse der Studie wurden in vier Kurzvideos zusammengefasst. Ab sofort sind diese in den Wartesälen der Südtiroler Krankenhäuser sowie in den Regionalzügen zu sehen. Heute Nachmittag wurde die Sensibilisierungskampagne von den Verantwortlichen des Instituts für Allgemeinmedizin und Public Health, der Freien Universität Bozen und des Südtiroler Sanitätsbetriebes an der Landesfachhochschule für Gesundheitsberufe Claudiana in Bozen vorgestellt.

Verständnis und Vertrauen
„Die Qualität eines Arzt-Patienten-Gesprächs hängt vor allem von der Beziehung ab, die zwischen dem Arzt oder der Ärztin und den Patient:innen besteht. Dabei gibt es zwei Elemente, die nicht fehlen dürfen: Verständnis und Vertrauen“, sagte der Allgemeinmediziner und Wissenschaftliche Leiter des Instituts für Allgemeinmedizin und Public Health, Giuliano Piccoliori. Nur wenn Ärztinnen und Patienten/Patientinnen eine gemeinsame Sprache sprächen, wenn der Arzt die Probleme seines Patienten verstehe und der Patient die Behandlungsvorschläge des Arztes nachvollziehen könne, nur dann verlaufe ein Behandlungsgespräch gut. Laut Piccoliori ist es wichtig, das gegenseitige Verständnis für das Gegenüber immer wieder anzustreben und zu überprüfen.

Die Ressource „Patient/Patientin“ fördern
Während ein Großteil der Patient-Arzt-Studien das Ziel hätten, den „Service am Patienten“ zu verbessern, sagte der Präsident des Instituts, Adolf Engl, stelle diese Studie die Kommunikations- und Handlungspotentiale der Patientinnen und Patienten in den Vordergrund. Erfahrungsgemäß, fügte Engl hinzu, führe die Visite zu einem besseren Ergebnis, wenn Patientinnen und Patienten ihre Wünsche und Präferenzen äußern und gleichzeitig Verantwortung übernehmen. Die Kurzvideos sollten die Botschaft vermitteln, dass Patienten und Patientinnen selbst enorm wichtig für ein gelungenes Behandlungsgespräch sind. „Es ist das Ziel dieser Sensibilisierungskampagne, die Ressource „Patient/Patientin“ zu stimulieren und zu fördern“, erklärte Engl bei der Pressekonferenz.

Die Sensibilisierungskampagne wird vom Südtiroler Sanitätsbetrieb unterstützt. „Das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patientin oder Patienten ist die Basis jeder Behandlung. Gerade in Zeiten wie diesen, in denen das Misstrauen gegenüber Institutionen und Wissenschaft bei manchen größer ist, als das Vertrauen, ist es wichtig, diesen Aspekt besonders hervorzuheben,“ sagte Sanitätsdirektor Josef Widmann nach der Vorstellung der Videos.

Der Hintergrund
Angeregt wurde die Videokampagne von einer multimethodischen Untersuchung zur Qualität der Arzt-Patient-Interaktion. Die Untersuchung wurde im Jahr 2018 von der Forschungseinrichtung Apollis, im Auftrag der Freien Universität Bozen, durchgeführt. Für die Studie waren 506 Patienten und Patientinnen sowie 109 Hausärztinnen und Hausärzte befragt worden. Die Umfrage kam zum Ergebnis, dass Ärztinnen und Ärzte sowie Patienten und Patientinnen unterschiedliche Erwartungshaltungen und Wünsche an ein Arzt-Patienten-Gespräch haben. Besonders die Patienten und Patientinnen hatten laut der Umfrage die Bedeutung ihres Eigenbetrags unterschätzt.

Diese und weitere Ergebnisse waren in eine Sensibilisierungskampagne eingeflossen, mit der das Institut gezielt die Ressource „Patient/Patientin“ stärken wollte, um so wiederum das Arzt-Patienten-Gespräch positiv zu verändern.
Die Umsetzung und Finanzierung der Kampagne hatte anschließend die Freie Universität Bozen übernommen. „Die Universität ist immer darum bemüht, der Bevölkerung Forschungsergebnisse zugänglich zu machen“, betonte Walter Lorenz, der ehemalige Rektor der Freien Universität Bozen, im Rahmen der heutigen Pressekonferenz. Diesem wichtigen Auftrag kam und komme die Universität Bozen nach, ganz besonders im Bereich der Gesundheits- und Sozialforschung.

Startschuss für die Sensibilisierungskampagne
Die zweisprachigen Kurzvideos wurden vom Grafikdesigner Hannes Pasqualini realisiert. Ab dem 1. Dezember 2021 werden sie regelmäßig auf den Monitoren der Wartesäle in den Südtiroler Krankenhäusern und auf den Monitoren in den Regionalzügen in Südtirol gezeigt. Die Videos sind auch auf dem Portal für Gesundheit www.institut-allgemeinmedizin.bz.it zu sehen.

Links zu den Videos:
https://www.youtube.com/watch?v=NFAQ8Bj09rk
https://www.youtube.com/watch?v=PYQbDVAbcAM
https://www.youtube.com/watch?v=QRSegLsyJls
https://www.youtube.com/watch?v=qoE2uMfzdVw

(RED)



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