Früh erkannt, besser geschützt: Projekt gegen multiresistente Keime

30.10.2025, 09:00

Das Krankenhaus Brixen setzt in den Abteilungen Urologie und Chirurgie mit einem patientenzentrierten Screening-Programm erfolgreich Maßnahmen gegen multiresistente Keime um. Interprofessionelle Zusammenarbeit und umfassende Aufklärung tragen dazu bei, nicht nur Patientinnen und Patienten, sondern auch das gesamte Umfeld nachhaltig zu schützen.

(Foto: Helena Innerhofer)
(Foto: Helena Innerhofer)

Das Thema Antibiotikaresistenzen ist seit jeher ein zentrales Anliegen des Südtiroler Sanitätsbetriebes. Bereits am 21. November 2024 fand in Bozen der Vortrag „Antibiotika richtig gebrauchen“ aus der Reihe „Forum Gesundheit Südtirol“ statt. Rund 70 Interessierte kamen zusammen, um den Experten Dr. Leonardo Pagani, Facharzt für Infektionskrankheiten am Krankenhaus Bozen, und Dr. Richard Aschbacher, Biologe im Labor für Mikrobiologie und Virologie, zuzuhören. Die medizinischen Fachleute warnten vor der zunehmenden Resistenzentwicklung bei Bakterien – einem globalen Notstand mit weltweit etwa 1,27 Millionen Todesfällen im Jahr 2023. Antibiotika, so die beiden Experten, seien zweifellos „Wunderwaffen“ gegen bakterielle Infektionen, würden aber zunehmend ihre Wirkung verlieren, wenn diese nicht zielgerichtet eingesetzt würden.

Der Südtiroler Sanitätsbetrieb hat deshalb konkrete Maßnahmen ergriffen, um der ernsthaften Bedrohung für die öffentliche Gesundheit wirkungsvoll entgegenzutreten und die Verbreitung resistenter Keime durch gezielte Kontrollund Präventionsstrategien einzudämmen. Dazu haben Pflegekräfte ein Projekt ins Leben gerufen, das die konsequente Durchführung von Screenings auf multiresistente Keime bei allen Patientinnen und Patienten vorsieht. Initiiert und begleitet wurde die Initiative von der Pflegekoordinatorin der Urologie und Chirurgie, Helena Innerhofer, die damit ein starkes Zeichen für Prävention, Patientensicherheit und interdisziplinäre Zusammenarbeit setzte. Durch systematische Tests bei allen Patientinnen und Patienten in den Abteilungen Urologie und Chirurgie des Krankenhauses Brixen werden Träger multiresistenter Erreger wie MDR (Multi drug resistant) und VRE (Vancomycin-resistent) frühzeitig erkannt. Pflegekräfte, Ärztinnen und Ärzte sowie Laborpersonal arbeiten eng zusammen, um Patientinnen und Patienten schon vor einem Eingriff auf multiresistente Erreger zu testen und so frühzeitig Schutzmaßnahmen einzuleiten.

So kann die Weiterverbreitung dieser Keime im Krankenhaus und darüber hinaus in der Bevölkerung wirksam eingedämmt werden. Da sich im Krankenhaus viele geschwächte Personen befinden – sei es infolge einer Operation oder aufgrund einer Erkrankung – ist es besonders wichtig, dass diese Erreger nicht weitergetragen werden, da sie schwerwiegende Infektionen auslösen können. Sollte bereits bekannt sein, dass eine Patientin oder ein Patient mit bestimmten Keimen besiedelt ist, kann die Behandlung im Falle einer Infektion gezielt angepasst werden. Besonders bei geplanten Operationen spielt das eine wichtige Rolle: Ein präoperatives Screening ermöglicht es, die Antibiotika-Prophylaxe rund um den Eingriff individuell abzustimmen.

Bei diesem Projekt liegt der Fokus auf einer patientenzentrierten Begleitung: Das Pflegepersonal erläutert den Betroffenen alle Einzelheiten und beantwortet Fragen, um Unsicherheiten abzubauen und Vertrauen aufzubauen. Pflegedirektorin Dr.in Marianne Siller zeigt sich äußerst zufrieden mit dem erfolgreichen Start dieses systematischen Screening-Projekts: „Diese Initiative steht exemplarisch für die interprofessionelle Zusammenarbeit hoher Qualitätsstandards. Das Engagement des beteiligten Teams ist ein vorbildliches Modell gesundheitlicher Exzellenz.“

Die Kombination aus professioneller Zusammenarbeit, patientenzentrierter Information und gezielter Aufklärung der Patientinnen und Patienten macht die Abteilungen Urologie und Chirurgie des Krankenhauses Brixen zu einem Modell für moderne Infektionsprävention – zum Schutz der Gesundheit aller.

Francesco Vendemia/Übersetzung: Sabine Flarer