Krankenpflege für Frauen

10.10.2024, 08:30

Ihre offizielle Bezeichnung ist „Breast care nurses“, auf Deutsch „Brustpflegerinnen“. Sie sind ein wichtiges Teil im Mosaik der Betreuung brustkrebserkrankter Patientinnen. Petra Kirchler aus Bruneck ist neu in dieser Riege. Sie erzählt uns, zusammen mit Eva Maria Thaler aus Meran, was sie bewogen hat, die Ausbildung zu absolvieren.

Stellen Sie sich vor, Sie oder jemand Ihrer Lieben erkranken an Brustkrebs: Natürlich ist es wichtig, dass alle medizinisch notwendigen Schritte wie eine lebensrettende Operation oder Chemo- oder Strahlentherapie möglich sind. Doch Frauen mit dieser Erkrankung haben noch viele andere Bedürfnisse: Wie geht man mit der Wundpflege um? Welche Möglichkeiten gibt es, um den Heilungsprozess zu beschleunigen? Welche Pflegemaßnahmen kann ich durchführen – Fragen über Fragen, die oft im hektischen Klinikalltag zu kurz kommen.

Hier kommen die „Breast care nurses“ ins Spiel: Sie stehen den betroffenen Frauen mit Rat und Tat bei physischen und psycho-sozialen Problemen zur Seite. Sie arbeiten interdisziplinär und sind ein wichtiges Bindeglied zwischen den klinischen Akteuren und den Einrichtungen außerhalb des Krankenhauses (wie der Krebshilfe). Im Südtiroler Sanitätsbetrieb arbeiten derzeit 10 Krankenpflegerinnen als Breast care nurses.

Petra Kirchler, Breast care nurse im Krankenhaus Bruneck, ist – zusammen mit ihrer Kollegin Heidi Niederkofler – eine der jüngst ausgebildeten. Sie arbeitet erst seit rund einem Jahr als „Brustpflegerin“ und ist sehr glücklich über ihre Entscheidung: „Wir haben allein hier in Bruneck rund 80 Neuerkrankungen pro Jahr. Wir versorgen die Frauen prä- und postoperativ und stehen beratend und helfend zur Seite. Die Patientinnen sind sehr dankbar und nehmen das Angebot gerne an, das freut mich und macht mich zufrieden und stolz. Es ist auch schön, einen eigenen Verantwortungsbereich zu haben und in einem multidisziplinären Team zu arbeiten.“

Die betroffene Person soll durch Information und Beratung sicher, kompetent und mutig ihren Behandlungsweg gehen – „dabei möchten wir Ansprechpartnerinnen sein“, so Kirchler. Auch ihre Kollegin Eva Maria Thaler aus dem Krankenhaus Meran hat die Ausbildung, die sie 2016 beendet hat, nicht bereut: „Ich habe vorher im onkologischen Bereich der Gynäkologie gearbeitet und suchte eine Herausforderung. Der Bereich der Onkologie gefällt mir sehr.“

Breast care nurses müssen über ein profundes Wissen zur weiblichen Brust verfügen, damit sie Fragen zu Diagnose, Verlauf, Therapien, Operationstechniken, Rehabilitation, Lymphödemen und mehr kompetent und einfühlsam beantworten können. Auch bei Brustbiopsien sind Breast care nurses als Assistentin an der Seite der durchführenden Ärztin beziehungsweise des durchführenden Arztes. Sie sind zum Teil bei Nachsorgevisiten und in Tumorkonferenzen dabei, sie passen eventuelle Prothesen und BHs an und schulen die Patientinnen zu Selbstuntersuchungen. „Es gibt eigentlich keinen ‚typischen‘ Tag“, so Thaler.
„Bereits bekannte Patientinnen können sich jederzeit an uns wenden. Unsere Aufgabe ist es, falls wir das Problem nicht selbst lösen können, den Kontakt zur richtigen Fachperson herzustellen. Die Arbeit ist vielfältig und geht von der Biopsie-Assistenz bis zu Versorgung mit Prothesen oder mehr. Auch die Mitarbeit in der Ethikgruppe gefällt mir sehr.“

„Wenn wir uns etwas wünschen könnten, dann wäre das noch mehr Zeit“, so Kirchler. „Es gäbe noch so viel zu tun – etwa Unterlagen zu überarbeiten oder unseren Dienst nicht nur in den ersten drei Jahren nach der Tumordiagnose anzubieten. Ich würde mir auch wünschen, dass wir mehr informieren könnten, beispielsweise in den Schulen. Außerdem wäre es an der Zeit, auch die Männer aufzuklären, dass Brustkrebs auch bei Männern vorkommt – leider ist aus Zeitgründen nicht alles möglich.“ Kollegin Thaler würde sich mehr gemeinsame Gespräche im Team wünschen, „so könnten Kommunikationsprobleme vermieden werden.“

Die berufsbegleitende Ausbildung dauert rund ein Jahr und kann an Universitätskliniken absolviert werden. Kirchler hat diese in Innsbruck gemacht mit Praktika im Dienst für Strahlentherapie, in der Komplementärmedizin, der Onkologie, im OP, der gynäkologischen Ambulanz, der Physiotherapie und bei den Breast care nurses an einem anderen Krankenhaus. „Zusätzlich habe ich die Ausbildung zur Mammacare-Trainerin im Allgäu gemacht, diese befähigt mich, die Brustselbstuntersuchungskurse abzuhalten“, so Kirchler. Lohnt es sich, die Ausbildung zu machen? „Auf jeden Fall“, so Kirchler.

Sabine Flarer