Olympia Biathlon, medizinisch gut versorgt

30.10.2025, 09:30

Bei der Austragung der Olympischen Winterspiele 2026 in Antholz ist der Südtiroler Sanitätsbetrieb für die medizinische Versorgung von Athletinnen und Athleten, Betreuerstab und Zuschauerinnen und Zuschauern verantwortlich.

Das Zusammenspiel von verschiedenen Einsatzkräften,Notfallmedizin und Behörden wurde bei Großübungen und Simulation von Unfällen erprobt. (Foto: Ivo Corrà)
Das Zusammenspiel von verschiedenen Einsatzkräften,Notfallmedizin und Behörden wurde bei Großübungen und Simulation von Unfällen erprobt. (Foto: Ivo Corrà)

Zwischen 6. und 22. Februar ist Antholz Austragungsort der Biathlon- Wettbewerbe der Olympischen Winterspiele 2026. An den Wettkampftagen werden über 20.000 Besucherinnen und Besucher erwartet, neben den Weltklassesportlerinnen und -sportlern werden zahlreiche Betreuerteams, Medienvertreter und VIPs in Antholz anwesend sein. Der Südtiroler Sanitätsbetrieb hat die Aufgabe, ab Beginn der Trainings Ende Jänner bis zum Abschluss der Wettkämpfe am 21. Februar die medizinische Betreuung (Medical Services) zu garantieren. 

Zentrale Rolle der Biathlon Arena Die Biathlon Arena Antholz wird zum zentralen Schauplatz der olympischen Wettbewerbe. Deshalb wird dort eine eigene medizinische Versorgungsstation für die Athletinnen und Athleten eingerichtet, an die sie sich jederzeit wenden können. Im Zielbereich der Arena gibt es einen Notfallraum für die unmittelbare Erstversorgung vor Ort.

Zusätzlich wird für die Betreuung der über 20.000 Zuschauerinnen und Zuschauer und knapp 3.000 Arbeitskräfte während der Olympischen Spiele eine medizinische Versorgungsstation (Medical Station) aufgebaut, die in Containern untergebracht ist. Für die Versorgung des Publikums sind weiters mobile Einsatz-Teams (Sanitäter) in der Arena unterwegs, die schnelle Hilfe bei Vorfällen im Publikum oder beim Personal gewährleisten.

Vor Ort stehen jederzeit Rettungsfahrzeuge mit Sanitätern, Krankenpflegern und Notärzten bereit. Dieses System wird ergänzt durch vier Motorschlitten, die Notfälle entlang der Loipe zügig erreichen können.

Poliklinik im olympischen Dorf
Ein zentrales Element ist zudem die Poliklinik für das olympische Dorf, die für die Athletinnen und Athleten sowie die olympische Familie zugänglich ist. Sie ist vom 28. Jänner bis zum 22. Februar täglich rund um die Uhr geöffnet und befindet sich am Eingang zum Antholzer Tal im umgebauten Servicegebäude des Sportplatzes. Dort werden Ambulatorien eingerichtet, diese werden mit einer mobilen Röntgentechnik, mit Ultraschall- und Laborgeräten für Schnelltests ausgestattet.
Rund um die Uhr sind ein Notaufnahme-Arzt/Ärztin und eine Pflegekraft anwesend. Zusätzlich steht tagsüber ein/e Facharzt/-ärztin für Orthopädie und Traumatologie, sowie ein/e Physiotherapeut/in zur Verfügung. Dies sind die Vorgaben der Stiftung Milano-Cortina 2026 und des Internationalen Olympischen Komitees.

Bei der Poliklinik gibt es auch einen Landeplatz für die Notarzthubschrauber, bei Bedarf erfolgt der Weitertransport in eines der olympischen Krankenhäuser.

Krankenhaus und Notfallversorgung
Das Landeskrankenhaus Bozen als Haus der Maximalversorgung ist das olympische Krankenhaus (Hub) der Autonomen Provinz Bozen. Gleichzeitig sind die Bezirkkrankenhäuser von Bruneck und Brixen (Spoke) durch ihre Nähe zu Antholz von besonderer Bedeutung für die medizinische Versorgung im Rahmen der Olympischen Winterspiele. Entscheidend ist dabei die enge Koordination mit den Notfallmedizinern und -medizinerinnen vor Ort, die im Ernstfall über die weiteren Schritte entscheiden.

Simulation von Notfällen
Zur optimalen Vorbereitung fanden bereits verschiedene Großübungen statt: so wurde ein Tribüneneinsturz mit vielen Verletzten, ein sogenannter MANV (Massenanfall von Verletzten), simuliert und im September wurde eine Logistikübung mit Blockade der Zufahrtsstraße ins Antholzer Tal durchgeführt.

Enormer Personalaufwand
Insgesamt wird der Sanitätsbetrieb zwischen 28. Jänner und 22. Februar über 13.000 Stunden an medizinischer Betreuung leisten. Dieser Aufwand wird von Mitarbeitenden des Sanitätsbetriebs sowie durch das Weiße Kreuz, Rote Kreuz und dem Bergrettungsdienst getragen.

Die große Herausforderung für den Südtiroler Sanitätsbetrieb ist es, trotz Olympia den regulären Krankenhausbetrieb in der Region – mitten in der touristischen Hochsaison – voll funktionsfähig zu erhalten.

Ingeburg Gurndin

Marc Kaufmann (Foto: privat)
Marc Kaufmann (Foto: privat)

Bei Marc Kaufmann, Primar der Notfall-, Anästhesie und Intensivmedizin am Krankenhaus Bozen, kurz nachgefragt:

Sie sind Medical Care Manager (MCM) für die Olympischen Winterspiele in Südtirol. Was sind dabei Ihre Aufgaben?
Der Medical Care Manager (MCM) der Provinz Bozen für die Olympischen Winterspiele 2026 in Antholz wurde vom Landeshauptmann Arno Kompatscher auf Anfrage der Stiftung Milano-Cortina 2026 ernannt. Gemeinsam mit den MCMs der Olympia-Regionen Lombardei, Veneto und dem Trentino trägt er die Verantwortung für die Ausrichtung des Medical Service. Darunter fallen die Sicherstellung einer optimalen medizinischen Versorgung der Athleten, olympischen Familie, Zuschauer sowie der Arbeitskräfte am Veranstaltungsort Antholz. Zudem zeichnet er verantwortlich für die Organisation der Poliklinik und der olympischen Krankenhäuser.

Zusammengefasst: der Medical Care Manager (MCM) ist zentraler Ansprechpartner für die Stiftung Milano-Cortina 2026 und das Internationale Olympische Komitee für alle medizinischen Belange bei den Olympischen Winterspielen 2026 in Antholz.

Welches sind die Herausforderungen?
Die wohl größte Herausforderdung ist es in den wenigen verbleibenden Monaten unsere Vorbereitungen so abzuschließen, dass wir für alle möglichen Belastungen und Sonderlagen während der Olympischen Winterspiele 2026 in Antholz ausreichend gerüstet sind. Dies betrifft praktisch alle Bereiche im Südtiroler Sanitätsbetrieb, das Netzwerk unserer sieben Krankenhäuser quer durch alle Berufsgruppen und nicht zuletzt die Notfallmedizin mit den gut ausgebauten Rettungsdiensten.

Was bedeutet dieser Einsatz bei Olympia für Sie persönlich?
Für mich persönlich, wahrscheinlich genauso wie für das gesamte Team der Notfallmedizin im Südtiroler Sanitätsbetrieb, stellt dieser Auftrag der Landesregierung eine große Herausforderung, Verantwortung und vor allem auch ein entsprechend großes Arbeitspaket dar. Zugleich aber erfüllt es uns doch auch mit einem gewissen Stolz, einen nicht unwesentlichen Beitrag für das Gelingen der Olympischen Winterspiele in Südtirol leisten zu dürfen. Wir freuen uns jedenfalls auf eine spannende Zeit, die hoffentlich lange in positiver Erinnerung bleiben wird.