Pflege trifft Kunst

18.04.2024, 13:00

Wer kümmert sich um die, die heilen? Mit Hilfe von Kunsttherapie gelang es dem Team der Abteilung und des Dienstes für Rehabilitation am Krankenhaus Bozen, die belastenden Erlebnisse aus der Zeit der Corona-Pandemie besser zu verarbeiten. Als Ergebnis dieses Projektes ist nun ein Buch entstanden.

Die Teilnehmenden mit ihren Werken
Die Teilnehmenden mit ihren Werken

Das Buch „Pflege trifft Kunst“ schildert die Erfahrungen der kunsttherapeutischen Fortbildungen, die der Sanitätsbetrieb einigen Mitarbeitenden des Krankenhauses Bozen, die während der gesamten Zeit der Pandemie Covid-Patienten betreut haben, ermöglicht hat.
Kunsttherapie beruht auf der Erkenntnis, dass künstlerisches Gestalten eine heilende Wirkung haben kann. Dabei geht es nicht darum, Kunstwerke zu erschaffen, sondern durch die künstlerische Tätigkeit Gefühle auszudrücken. Alles nahm seinen Anfang in der ersten Phase der Pandemie. Die Abteilung für Neurorehabilitation und postakute Rehabilitation am Krankenhaus Bozen wurde am 5. März 2020 innerhalb nur eines Tages in eine Covid-Station umgewandelt. Bereits drei Tage später wurden die ersten Covid-Patienten aufgenommen. Das Team musste sich auf neue Medikamente und Therapien einstellen, nichts war mehr wie zuvor.

Zudem herrschte allgemeine Unsicherheit und das Tragen der Schutzkleidung bedeutete eine zusätzliche Belastung. Das Mitansehen, wie es Patientinnen und Patienten stündlich schlechter ging, so dass sie unvermittelt intubiert werden mussten, zu wenig Zeit für die Begleitung der Sterbenden, Telefonate mit den Angehörigen, die Pflege von Patienten und Patientinnen, die direkt von der Intensivstation kamen und sich in einem mentalen und psychischen Ausnahmezustand befanden – all dies brachte die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an ihre Grenzen. Zita Cassar, die damalige Koordinatorin der Abteilung, war sehr besorgt und bei ihrer Suche nach Unterstützung für ihr Team stieß sie auf den Kunsttherapeuten Carlo Coppelli. Könnte Kunsttherapie ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern helfen, wieder mehr „Luft“ zu bekommen und sich etwas Gutes für die Psyche und Seele zu tun? Cassar nahm Kontakt zu Coppelli auf und organisierte die Weiterbildungen für ihr Team. Auch das Bozner Museum für zeitgenössische Kunst Museion war ein aktiver Projektpartner. Dort konnten die Teilnehmenden eintägige Workshops besuchen und mit kunsttherapeutischen Methoden in Verbindung mit der zeitgenössischen Kunst experimentieren.

Katrin Zelger, Krankenpflegerin und Co-Kuratorin des Buches „Pflege trifft Kunst“, erinnert sich: „Im Spätherbst 2021 hat der erste Teil des Workshops für alle stattgefunden. Wir haben den ersten Tag im Museion verbracht, in der Ausstellung ‚TECNO‘. Ein Moment nur für uns. Außerhalb der Covidabteilung. Eine Möglichkeit, uns Raum zu nehmen und zu geben.“ Carlo Coppelli begleitete die Teilnehmenden als Referent mit viel Engagement und Klarheit.

Für Katrin Zelger war es eine sehr befreiende und erleichternde Erfahrung. „Die künstlerische Arbeit ist mir anfangs nicht ganz leichtgefallen, aber das Schöne war, dass jede so sein konnte, wie sie war, ohne Zwang und ohne Müssen. Beim Arbeiten mit den verschiedenen Techniken und Materialien konnte ich meine Gedanken und Gefühle frei fließen lassen.“ Während der Workshops sei auch das Bedürfnis entstanden, ein Buch zu realisieren. „Pflege trifft Kunst“ ist eine Sammlung wertvoller Zeugnisse aus der schwierigen Zeit der Pandemie, gewissermaßen ein Mosaik verschiedener Emotionen. Das Buch ist mit zahlreichen Bildern ausgestattet, die während des Projekts entstanden sind.

Vera Schindler