TikTok-Premiere für die Kampagne „Check Your X“

20.11.2023, 23:00

Bekannterweise steht der November im Zeichen der Männergesundheit. Im November des vergangenen Jahres nahm der Südtiroler Sanitätsbetrieb dies zum Anlass, den Startschuss für die Sensibilisierungskampagne „Check Your X“ zu geben. Diese Kampagne informiert vor allem männliche Jugendliche und junge Männer zu Themen rund um die Männergesundheit und möchte dieses wichtige Thema aus der Tabu-Ecke holen

Kernstück der Kampagne ist die Webseite www.checkyourx.it mit vielen interessanten und nützlichen Infos. „Check Your X“ läuft unter anderem bereits sehr erfolgreich auf verschiedenen Kommunikationskanälen wie Facebook und Instagram. Dass Sabes ab diesem November nun auch auf TikTok zu finden sein wird, mag auf den ersten Blick für Verwunderung sorgen, ist jedoch angesichts der jungen Altersgruppe, für die die Kampagne konzipiert ist, durchaus sinnvoll.

TikTok, das Videoportal für Musikvideos und kurze Videoclips, ist bei den Teenagern von heute zweifelsohne das beliebteste soziale Netzwerk – viele Eltern können ein Lied davon singen. Weil genau dort die Hauptzielgruppe von „Check Your X“ am häufigsten anzutreffen ist, plante die Abteilung Kommunikation des Sanitätsbetriebes zusammen mit der Abteilung Urologie am Krankenhaus Bozen für den heurigen Männermonat die Produktion von zehn unterhaltsamen Kurzvideos, um die Jugendlichen wieder vermehrt auf die Kampagne aufmerksam zu machen.

Über den Theaterverein Murx, der von der bekannten Südtiroler Künstlerin Doris Warasin geleitet wird, ist es gelungen, zwei junge Schauspieler zu finden, die sich dazu bereit erklärten, an den Videos als Testimonials mitzuwirken. Auch die Urologin Evi Comploj vom Krankenhaus Bozen beteiligte sich und hat einen Auftritt als Expertin in einem Kurzinterview. Die Dreharbeiten dauerten einen Tag, am Vormittag wurde im Büro der für die Produktion beauftragten Social Media Agentur „Classified Media“ gedreht und am Nachmittag in der Abteilung Urologie im Krankenhaus Bozen. Doris Warasin bereitete die beiden Schauspieler auf ihre Rollen vor und begleitete den Dreh. Man konnte spüren, dass es allen Beteiligten ein großes Anliegen war, diese wichtige Kampagne zu unterstützen und dass sie mit Begeisterung dabei waren. Das Ergebnis sind zehn verschiedene Kurzvideos von maximal 15 Sekunden Länge, die gleichzeitig erfrischend und informativ sind. In einem Video wird, mit Hilfe eines Antistressballs als Requisit, das richtige Abtasten der Hoden erklärt, in einem anderen wird der Weg in die Urologie vom Krankenhauseingang zur Abteilung gezeigt. Außerdem werden verschiedene „Fakt oder Fake“-Gespräche zwischen Arzt und Patienten beziehungsweise unter Freunden dargestellt.

Ab November werden zwei Videos pro Woche auf dem TikTok-Kanal des Südtiroler Sanitätsbetriebes (www.tiktok.com/@checkyourx) gepostet. Bleibt nur noch zu hoffen, dass die Videos bei den Jugendlichen gut ankommen und zur Sensibilisierung für ihre Gesundheit beitragen.


Interview: „Je früher ich etwas erkenne, desto besser für die Gesundheit“

Die Urologin Evi Comploj war federführend an der Entstehung der Sensibilisierungskampagne für Jungen- und Männergesundheit „Check Your X“ beteiligt.

Welches Resümee ziehen Sie genau ein Jahr nach Start der Kampagne?

Die Sensibilisierungskampagne ist bei den Jugendlichen und jungen Männern und auch bei den Eltern sehr gut angekommen. Ich bekam oft zu hören, wie wichtig und nützlich es sei, endlich auch mal etwas für die Jungen und Männer zu machen. Auch die Kinder- und Hausärzte haben sich positiv zur Kampagne geäußert. Die kostenlosen Untersuchungen im Alter von 0 bis 26 Jahren werden bei uns in Bozen gerne angenommen und wir konnten durchaus einige Patienten mit Hodentumoren, aber auch anderen Erkrankungen, wie Varikozelen und Hoden- hochstand, herausfiltern. Bei vielen Patienten ging es auch nur darum, sie zu beruhigen und zu bestätigen, dass alles in bester Ordnung ist. Auch einzelne Lehrer und Schulen haben das Angebot der verschiedenen Unterlagen, Sticker, Flyer, aber auch der Möglichkeit des Vortrages in den Schulen in Anspruch genommen. Ich persönlich bin sehr zufrieden mit diesem ersten Jahr der „Check Your X“- Kampagne. Ich hoffe und wünsche mir natürlich, dass sie weiter ausgebaut wird, denn es bleibt noch viel zu tun! Die Burschen von heute sind die Männer von morgen, wir investieren in deren Zukunft.

Für die Kampagne wurden jetzt auch Kurzvideos für den TikTok-Kanal gedreht, an denen Sie auch mitgewirkt haben. Was können Sie uns dazu erzählen?

Diese gesamte Kampagne ist so aufgebaut, dass sie die jungen Männer dort abholt, wo sie in ihrer Online-Welt zu finden sind. Das geht schnell, mit QR-Code und über Smartphone, ihrem ständigen Begleiter. Die Kampagne läuft bereits erfolgreich auf Instagram, auf der Homepage, auf Facebook und nun eben auch auf TikTok. Wir haben verschiedene Kurzvideos gedreht, unter anderem auch ein Kurz-Interview mit mir, mit kurzen Fragen und noch knackigeren Antworten.

Sie möchten dieses Jahr im Rahmen der Kampagne besonders zum Krankheitsbild „Hodenhochstand“ informieren. Wobei handelt es sich dabei genau?

Ja, wir möchten im heurigen zweiten Kampagnenjahr das Augenmerk auf den Hodenhochstand lenken. Dabei handelt es sich um eine Fehllage des Hodens: Ein oder auch beide Hoden vollenden nicht ihren natürlichen Wanderweg durch die Bauchhöhle in den Hodensack. Das Problem ist die zu hohe Umgebungstemperatur, welche der Entwicklung des Hodens und somit der Reifung der Spermien schadet. Diese Hodenfehllage kann die Ursache für Hodentumor zu einem späteren Zeitpunkt, aber auch der Grund für Kinderlosigkeit sein. Umso wichtiger ist es, die Eltern dafür zu sensibilisieren. Je früher ich den Hodenhochstand diagnostiziere und therapiere, desto besser ist das Ergebnis. Mit Vollendung des 12., allerspätestens 18. Lebensmonats, sollte die Behandlung abgeschlossen sein. Leider werden uns die Kinder im Durchschnitt viel zu spät vorgestellt und die Operation erfolgt dann auch spät. Dies muss sich dringend ändern und verbessern.

Die Jungen- und Männergesundheit ist nach wie vor ein Tabuthema, welche Botschaft möchten Sie den Jugendlichen und jungen Männern mitgeben?

Ich sehe in den letzten Jahren eine stärkere Enttabuisierung des Themas. Die Jungen und Männer zeigen eine Bewusstseinsänderung, sie achten mehr auf sich. Auch wenn sie vielleicht nicht mit den Eltern direkt über ihr Problem oder Anliegen sprechen wollen, verlangen sie trotzdem eine urologische Visite. Mit einem gewissen Maß an Fingerspitzengefühl unsererseits rücken die Jugendlichen dann mit ihren Anliegen, Sorgen und Ängsten heraus. Ich kann ihnen nur mitgeben: „Habt keine Hemmungen, die Untersuchung schmerzt nicht und sie ist meist innerhalb weniger Minuten vorbei! Je früher ich etwas erkenne, diagnostiziere und behandle, desto besser ist es für deine weitere Gesundheit. Und meist sind die Jugendlichen, jungen Männer und Eltern erstaunt, wie unkompliziert und schnell so eine Visite abläuft.

Vera Schindler