Unerwünschter Import

Elke Maria Erne, Primarin der Abteilung für Infektionskrankheiten am Krankenhaus Bozen
Elke Maria Erne, Primarin der Abteilung für Infektionskrankheiten am Krankenhaus Bozen

Interview mit Elke Maria Erne, Primarin der Abteilung für Infektionskrankheiten am Krankenhaus Bozen.

Man hört immer öfter, dass Tropenerkrankungen auch bei uns zunehmen, können Sie das bestätigen? Welches sind die häufigsten Krankheitsbilder, die Sie bei Ihrer Arbeit auf der Abteilung für Infektionskrankheiten sehen?
Ja, das kann ich bestätigen. Derzeit sind alle tropischen Erkrankungen, die wir in Südtirol sehen, „importiert“, wir verzeichnen noch keine autochthonen Tropenkrankheiten. Die häufigsten Krankheitsbilder sind Malaria, Dengue-Fieber, das West-Nile-Fieber, Zika und Chikungunya.

Was ist der Grund dafür, dass diese Erkrankungen, die bisher eher lokal begrenzt in Tropenregionen auftraten, nun auch hierzulande vorkommen?
Vorrangig der Klimawandel – durch die Erwärmung breiten sich Mücken auch in unseren Gebieten aus, die dann Mikroorganismen von Mensch zu Mensch übertragen können. Natürlich auch die Globalisierung durch Reisen: Die Erreger reisen mit den erkrankten Menschen, die Mücken „fahren“ in Flugzeugen und Schiffen mit.

Kann man sich gegen diese Erkrankungen schützen? Sind diese ansteckend, falls jemand sich infiziert?
Diese Krankheiten werden nicht direkt von Mensch zu Mensch übertragen, es sind die Mückenstiche, die den Erreger weitergeben. Schützen muss man sich also vor den Mückenstichen, gegen Malaria existiert eine Prophylaxe.

Wie schaut eine typische Behandlung einer Tropeninfektion aus?
Gegen Malaria gibt es spezifische medikamentöse Therapien, bei den anderen Infektionen helfen nur unterstützende Maßnahmen.

Was sehen Sie persönlich als größte Gefahr „am Horizont“?
Letzten Sommer hatten wir zwei autochthone Ausbrüche von Dengue-Fieber in Italien. Theoretisch können weitere Fälle nachkommen.

Wenn Sie selbst verreisen, welche Vorsichtsmaßnahmen treffen Sie?
Ich mache alle nötigen Impfungen. Falls nötig, führe ich die Malaria- Prophylaxe durch. Ich benutze Sprays gegen Mückenstiche, trage langärmelige Blusen und Hosen und schlafe nur mit Mückennetz. Zudem bin ich sehr vorsichtig beim Essen und Trinken, um gastrointestinale Infekte zu verhindern.