Stay away from Gretchen

18.04.2024, 12:30

von Susanne Abel

Tom, ein bekannter Nachrichtenmoderator, macht sich Sorgen um seine 84-jährige Mutter Greta, die immer mehr vergisst. Als die Diagnose Demenz im Raum steht, ist er entsetzt. Bis die Krankheit seiner Mutter zu einem Geschenk wird: Erstmals erzählt Greta aus ihrem Leben – von ihrer Kindheit in Ostpreußen, den geliebten Großeltern, der Flucht vor den russischen Soldaten im eisigen Winter und ihrer Zeit im besetzten Heidelberg. Als Tom jedoch auf das Foto eines kleinen Mädchens mit dunkler Haut stößt, verstummt Greta. Zum ersten Mal beginnt Tom, sich eingehender mit der Vergangenheit seiner Mutter zu befassen.

Dieses Buch spielt in der Gegenwart und in der Vergangenheit – und plötzlich sind alte Menschen wieder jung und voller Träume: Die gebrechliche Greta war einst das junge und mutige Gretchen. Die Erlebnisse in der Kriegs- und Nachkriegszeit der Familie zeigen nicht nur, wie viel Leid damals geschah, sondern auch, was in einer „ordentlichen“ Familie nicht sein durfte. Das Buch hat alles, was eine spannende Geschichte haben soll: Es blickt zurück in die Geschichte, lässt uns Menschen verschiedener Länder kennenlernen, wir erleben eine berührende Verbindung und können sehen, dass Rassismus und falsche Entscheidungen immer schon zu viel Leid geführt haben.

Für alle, die das Buch – so wie ich – restlos fasziniert nicht mehr aus der Hand legen konnten – es gibt nun auch einen zweiten Teil, „Was ich nie gesagt habe – Gretchens Schicksalsfamilie“.

Sabine Flarer