Lilys Versprechen

10.07.2024, 09:00

Wie ich Ausschwitz überlebte und die Kraft zum Leben fand.

Als die Holocaustüberlebende Lily Ebert 1945 befreit wird, steckt ihr ein amerikanischer Soldat einen Geldschein zu, den sie ihr Leben lang behält und viele Jahre später ihrem Urenkel Dov zeigt. Dov beschließt, diesen Soldaten über die sozialen Medien ausfindig zu machen. So kommt die damals 96-jährige Lily schließlich weltweit in die Schlagzeilen und kann endlich ihr Versprechen einlösen und der ganzen Welt von ihrem Schicksal und dem Grauen des Holocaust erzählen.

Die Geschichte von Lily hat mich gerade deshalb berührt, weil die alte Dame – heute 101 Jahre alt – jahrzehntelang, wie so viele aus ihrem Familien- und Bekanntenkreis, geschwiegen hat. Über diese schreckliche Zeit wollte man nicht sprechen, man wollte nach vorne schauen und alles Schlimme hinter sich lassen. Nur manchmal blitzen bei Lily die Erinnerungen durch: so etwa, als sie erzählt, dass ihre Schwester ihr ganzes Leben lang weinte, wenn sie verschwendete Lebensmittel sah. Erst im hohen Alter kommen die Erinnerungen zur Sprache und unterstützt von ihrer Familie wagt Lily es, ihre Geschichte zu erzählen.

Von da an geht es Schlag auf Schlag: Nach dem Buch folgen Lesungen und Besuche in Schulen und Bibliotheken, Lily wird immer häufiger eingeladen, von ihren Erlebnissen zu erzählen. Und Lily, die jahrzehntelang geschwiegen hat, spricht …

Sabine Flarer