ELF6 - ELF7

30.10.2025, 11:00

Diese einprägsame Nummer ist schon in mehreren EU-Ländern, etwa in Deutschland, Anlaufstelle für nicht-dringende Gesundheitsprobleme. Auch in Südtirol wird intensiv an der Errichtung dieses Telefondienstes gearbeitet.

Bald startet die einheitliche europäische Telefonnummer zur nicht-dringenden medizinischen Versorgung (Foto: 123rf)
Bald startet die einheitliche europäische Telefonnummer zur nicht-dringenden medizinischen Versorgung (Foto: 123rf)

In Italien war die Region Lombardei Vorreiter, andere folgten nach und nach. Auch im benachbarten Trentino ist dieser Dienst in den meisten Zonen, wenn auch noch nicht überall, aktiv.

Generaldirektor Christian Kofler erklärt in welchen Fällen diese Telefonnummer gewählt werden kann: „Wer 116117 anruft, trifft auf geschulte zweisprachige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Südtiroler Sanitätsbetriebes, die als Wegweiser fungieren: Anhand eines strukturierten Interviews finden sie heraus, was der Anrufer beziehungsweise die Anruferin benötigt. Da die ärztliche Betreuungskontinuität in Südtirol derzeit nachts und am Wochenende noch unterschiedlich geregelt ist, stellt die Zentrale den Kontakt zum zuständigen Hausarzt oder zur zuständigen Hausärztin her, falls notwendig.
Dieser oder diese meldet sich dann bei den Hilfe suchenden und entscheidet, welche weiteren Schritte notwendig sind. Falls es sich um ein akutes Problem handelt, welches keinen Aufschub duldet, wird die Landesnotrufzentrale eingeschaltet oder der Patient beziehungsweise die Patientin wird an die Notaufnahme verwiesen.“

Vielfach – so zeigen die Erfahrungen in anderen Regionen – wünschen sich die Anruferinnen und Anrufer einfach Auskünfte, beispielsweise zu den Öffnungszeiten, zu Telefonnummern, Fragen zu bürokratischen Themen rund um die Gesundheitsversorgung. Der große Vorteil ist die einheitliche Telefonnummer: Egal, bei welchen Fragen zur Gesundheitsbetreuung, es kann einfach die 116117 angerufen werden – von überall, ohne Vorwahl und ohne Kosten.

Einige Dienstleistungen, die 116117 anbietet, hat der Gesetzgeber als verpflichtend vorgesehen, andere können zusätzlich angeboten werden. „Der Dienst ist rund um die Uhr erreichbar, die ärztliche Betreuungskontinuität, die langfristig neu organisiert werden muss, ist nachts und am Wochenende garantiert“, so Kofler.
Einer der ersten Schritte war die Gründung einer technischen Kerngruppe, die sich um die Aktivierung des Dienstes kümmert. Ihr gehören folgende Mitglieder an:

  • Elena Battisti: Referentin für die Pflegedienstleitung vor Ort(Vertretung Astrid Santoni)
  • Paolo Berenzi: Referent für die Landesnotrufzentrale
  • Marco Bernardo: Referent der Abteilung Technik und Vermögen
  • Alessandra Capici: Referentin für die Ärztliche Direktion der Basismedizin(Vertretung Edoardo Maria Terlizzi)
  • Magda Cavallucci: Referentin für die Abteilung Gesundheitsleistungen und wohnortnahe Versorgung
  • Lukas Raffl: Referent der Abteilung Kommunikation
  • Simone Zancanaro: Referent der IT-Abteilung

Andreas Federspieler von der Unternehmensberatung Matt &Partner unterstützt und koordiniert die technische Kerngruppe.

Eine der Aufgaben der Kerngruppe war es, innerhalb September 2025 den Aktivierungsplan auszuarbeiten. Dieser wurde an das Ressort für Gesundheit zur Definition des Programmierungsaktes weitergeleitet, der wiederum dem Ministerium zur Genehmigung vorgelegt werden muss. Zudem muss der Start der „Pilotierung“ der Einsatzzentrale innerhalb 28. Februar 2026 eingeleitet werden.

„Unsere Hauptaufgaben sind nun die Personalsuche und -ausbildung – wir rechnen mit 12 Personen, um den Dienst rund um die Uhr zu garantieren– das Finden einer geeigneten Einrichtung für den Dienst, die Installation der passenden Software und langfristig die Reorganisation der Betreuungskontinuität im ganzen Land“, so der Generaldirektor.

Besonders wichtig ist in diesem Zusammenhang die Kommunikation: Es gilt, die Bürgerinnen und Bürger zu informieren, in welchen Fällen sie diese Telefonnummer anrufen können und sollen. Die Nummer 116117 sollte bekannt sein und die Menschen sollten sich im Ernstfall daran erinnern. Auch für Touristinnen und Touristen ist dieser Dienst gedacht, denn durch die EU-weite Bekanntheit wissen viele Gäste bereits über diese Nummer Bescheid.

Ab Februar 2026 startet die Testphase, in einem Gesundheitsbezirk. „Diese Testphase darf maximal 12 Monate dauern und in dieser Zeit werden wir vom Ministerium beurteilt“, so Kofler. Danach müssen eventuelle Anpassungen vorgenommen werden und der Dienst, der beim Südtiroler Sanitätsbetrieb angesiedelt ist, kann auf andere Bezirke ausgedehnt werden.

Damit bewegt sich Südtirol gleichauf mit vielen anderen europäischen Staaten. Nach der einheitlichen Notrufnummer 112 für den Notfallbereich, die bereits seit einigen Jahren flächendeckend eingeführt ist, ist damit auch eine Harmonisierung für nicht-dringende medizinische Auskünfte garantiert.

Die einheitliche Telefonnummer 116117 ist EU-weit vorgesehen und in vielen europäischen Ländern auch schon aktiv. In Italien sehen das Staat-Regionen-Abkommen vom 24. November 2016 und das Ministerialdekret 77/2022 diese für den Zugang zu nicht-dringender medizinischer Versorgung und anderen wohnortnahen Gesundheitsdiensten mit niedriger Versorgungsintensität oder Priorität vor.

Sabine Flarer