Für einen kompetenten Sprachgebrauch

30.10.2025, 10:00

Das Projekt zur Sprachförderung im Südtiroler Sanitätsbetrieb läuft nun in seinem zweiten Jahr mit einem vielfältigen Kursangebot. Insgesamt wurden in den internen Kursen bis Oktober 2025 rund 550 Kursplätze besetzt.

(Foto: 123rf)
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Intensiv- und Extensivkurse, Präsenz- und Onlineformate, Deutschund Italienischkurse – an internen Sprachkursen mangelte es im Sanitätsbetrieb wahrlich nicht und jene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die noch keinen Zweisprachigkeitsnachweis erlangt haben, können daraus den für ihre individuellen Bedürfnisse passendsten Sprachkurs wählen. Durch die gezielte Unterstützung beim Erlernen der Zweitsprache leistet der Betrieb nicht nur einen Beitrag zur hochwertigen Patientenversorgung, sondern investiert auch in die langfristige berufliche Integration seiner Mitarbeitenden.

Auch die Zielgruppe ist ausgesprochen vielfältig: Die Teilnehmenden stammen aus über 36 Ländern und unterscheiden sich in ihrer Erstsprache, Zielsprache, ihrem Ausgangs- und Zielniveau, Dienstsitz, Anstellungsdatum und Turnus. Gemeinsam ist ihnen das Ziel, das Sprachniveau B2 beziehungsweise C1 in mindestens einer der beiden Amtssprachen zu erreichen. Katrin Tartarotti, Linguistin und Mitarbeiterin der Abteilung Personalentwicklung zur Wichtigkeit des Projekts: „Der Erwerb der Zweitsprache innerhalb der festgelegten Frist stellt eine anspruchsvolle Aufgabe dar – insbesondere, wenn dieser Prozess berufsbegleitend erfolgt. Das Projekt schafft strukturelle Rahmenbedingungen, um den Lernprozess gezielt zu unterstützen.“

Die internen Sprachkurse werden regelmäßig über das gesamte Jahr hinweg angeboten. Die Inhalte sind didaktisch auf die Berufswelt von Medizin und Pflege abgestimmt und vermitteln den Teilnehmenden praxisnahe und berufsrelevante Sprachkompetenzen. Die Teilnahme an den internen Kursen ist kostenlos und die Kursstunden werden als Arbeitszeit anerkannt. Der Direktor der Abteilung Personalentwicklung Martin Matscher betont daher: „Ein besonderer Dank gilt den direkten Vorgesetzten, die ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für den Unterricht freigestellt haben. Ihre Unterstützung ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor auf diesem gemeinsamen Weg.“

Aktuelle Sprachangebote 2026
Auch im Jahr 2026 gibt es wieder vielfältige Unterstützungsmaßnahmen für die gezielte Förderung des individuellen Sprachlernprozesses. Ab November 2025 ist es möglich, sich in die internen Sprachkurse des ersten Trimesters 2026 einzuschreiben, Anmeldungen unter www.ecmbz.it

Genauere Informationen sind im Intranet unter der Sektion „Languages“ verfügbar.


Stimmen aus dem Projekt

Erfahrungen der Kursteilnehmerinnen und -teilnehmer

Francesco Decorti, der ursprünglich aus Rom kommt, arbeitet seit rund zwei Jahren als Biologe im Labor für klinische Pathologie am Krankenhaus Bruneck. Nicht verwunderlich also, dass das erste schwierige Wort, das er auf Deutsch gelernt hat, „Blutkörperchensenkungsgeschwindigkeit“ war.

Für den Schritt nach Südtirol entschließt er sich im Jahr 2023, unmittelbar davor absolviert er einen einmonatigen Kurs auf A1-Niveau. „Ich fühlte mich in der Lage, meine gewohnte Arbeit, die im Wesentlichen aus der Interpretation von Zahlen besteht, auszuüben. Natürlich konnte ich mich noch nicht an Gesprächen beteiligen, aber ich war mir sicher, dass ich mich zumindest in gutem Englisch verständigen konnte“, erinnert er sich. Englisch hatte er sich autodidaktisch beigebracht und hatte die Möglichkeit, die Sprache immersiv zu erlernen, als er zwischen 1996 und 1998 in den USA lebte und unter anderen an den Universitäten Texas und Standford arbeitete.

Seit Francesco Decorti im Labor in Bruneck angestellt ist, besucht er Online-Kurse und verbessert seine Deutschkenntnisse Schritt für Schritt. Aktuell lernt er auf C1-Niveau, denn sein klares Ziel ist ein unbefristeter Vertrag. „Im Alter von 57 Jahren und nach langjährigen Erfahrungen im Bereich Freiwilligenarbeit, Tätigkeiten im Ausland und Forschungsarbeit, möchte ich nun ein Mindestmaß an Stabilität erreichen.“

Eine Schwierigkeit beim Erlernen der deutschen Sprache ist für den Biologen, dass er selten direkten Patientenkontakt hat und die meiste Zeit schweigend vor dem PC verbringt. Um sein Deutsch zu verbessern, verwendet er einsprachige Wörterbücher und greift so wenig wie möglich auf automatische Übersetzungen zurück.

Anderen Sprachlernenden empfiehlt er, alle Alltagsgeräte – vom Handy über den PC bis zum Fernseher oder Auto – auf die zu erlernende Sprache umzustellen.

Als seine größte persönliche Herausforderung sieht Francesco Decorti, das Erlernen der Grammatik. „Manchmal passiert es, dass ich eine Grammatikregel, die mir bei der Erklärung vollkommen klar erscheint, innerhalb weniger Stunden wieder vergesse. Mit etwa dreißig hat man noch andere Fähigkeiten, als wenn man sich dem 60. Lebensjahr nähert – aber ich bin noch keineswegs verzweifelt.“

Als der aus der Provinz Treviso stammende Gianni De Polo, Facharzt für Kinderpsychiatrie und Physiater, seine Arbeit am Dienst für Kinderund Jugendpsychiatrie Brixen aufnimmt, sind seine Kenntnisse der deutschen Sprache gleich Null. Derzeit besucht er einen Kurs auf B2-Niveau und hat sich schon in den C1-Kurs eingeschrieben, um sich auf die Zweisprachigkeitsprüfung vorzubereiten.

„Ich hatte großes Glück“, so Gianni de Polo. „Die Lehrer sind wirklich gut und, da ich einen Kurs nach dem anderen absolviert habe, habe ich meine Sprachkenntnisse nicht verloren.“

Neben seiner Vollzeitarbeit am Krankenhaus Brixen ist es eine große Herausforderung Deutsch zu lernen, es erfordert jeden Tag viel Entschlossenheit und Engagement. Dass die Kurse speziell auf die Themen Medizin und Pflege zugeschnitten sind, findet Gianni de Polo sehr nützlich, er würde sich jedoch auch eine Ausrichtung auf seinen Fachbereich, die Pädiatrie, wünschen.
In seinem Berufsumfeld benutzt er die deutsche Sprache jeden Tag, wenn er Kinder untersucht. Problematisch ist für ihn, dass nicht nur von den Patientinnen und Patienten und deren Familien, sondern auch vom Gesundheitspersonal Hochdeutsch nur selten verwendet wird. „Die Kolleginnen und Kollegen sprechen untereinander immer Dialekt, sowohl bei der Arbeit als auch in Besprechungen und natürlich auch außerhalb der Arbeit. Manchmal habe ich den Eindruck, dass es für einige einfacher ist, mit mir auf Italienisch zu sprechen als auf Hochdeutsch.“
Anderen Mitarbeitenden, die die Zweitsprache noch lernen müssen, empfiehlt er zuversichtlich zu bleiben und an sich selbst zu glauben. „Meiner Erfahrung nach sind die Kurse sehr gut und auf hohem Niveau.
Es braucht jedoch viel Motivation und einen hohen Einsatz, da das Sprachenerlernen zeitintensiv ist. Vor der Zweisprachigkeitsprüfung würde ich außerdem dazu raten, einen vierwöchigen Sprachaufenthalt – wie vom Sanitätsbetrieb empfohlen – mit einem Intensivkurs des Niveaus B2 oder C1 zu machen.“

Vera Schindler