Händehygiene betrifft uns alle

18.04.2024, 15:30

Die Weltgesundheitsorganisation hat den 5. Mai zum „Tag der Händehygiene“ erklärt. Dieses Thema zum Schutz der Gesundheit betrifft nicht nur das Gesundheitspersonal, sondern die gesamte Bevölkerung.

Im Doppelinterview betonen Pierpaolo Bertoli, Sanitätskoordinator des Gesundheitsbezirks Bozen, und Rosanna Loss, Mitarbeiterin der Ärztlichen Direktion des Krankenhauses Bozen, wie wichtig eine korrekte Händehygiene für all jene ist, die im Gesundheitssektor arbeiten und täglich mit Patienten und Patientinnen in Kontakt sind.

Außerdem kündigen sie einige Aktionen an, die im Zuge des Tages der Händehygiene angeboten werden. Dass der Tag der Händehygiene am fünften Tag des fünften Monats eines Jahres stattfindet, ist kein Zufall: „Ja, denn jede Hand hat schließlich fünf Finger“, erklärt Bertoli „und wir möchten bekräftigen, dass die richtige Desinfektion der Hände, besonders für jene, die Menschen pflegen, wichtig ist.“

Für einige scheint die Händehygiene vernachlässigbar zu sein. Können Sie uns erklären, warum sie aber wichtig für den Schutz der Gesundheit ist?
Loss:
Die richtige Händehygiene ist das wirksamste Mittel, um die Übertragung von potenziell krankheitserregenden Bakterien und Mikroorganismen in allen Behandlungsbereichen, von den Krankenhäusern bis hin zu den Altersheimen, zu minimieren. Unsere Hände werden von diesen Mikroorganismen auf einer tieferen Ebene, in diesem Fall spricht man von der „residenten Flora“ und auf einer oberflächlicheren, temporären Ebene besiedelt. Mit der Desinfektion der Hände greifen wir in Letztere ein und begrenzen somit das Risiko für die Gesundheit, potenziell gefährliche Keime in unseren Organismus einzuschleusen oder diese an andere Personen weiterzugeben.

Beschäftigte im Gesundheitswesen könnten denken, dass dies kein Thema ist, das sie selbst betrifft, zumal es als selbstverständlich angesehen wird, dass Ärzte und Krankenpflegepersonal auf die Hygiene achten … Bertoli: In unserem Betrieb gibt es eine Prozedur aus dem Jahr 2022, Nr. 2351, die an das gesamte Gesundheitspersonal gerichtet ist. Diese Prozedur besteht aus drei Hauptthemen: der korrekten Durchführung der Händedesinfektion, dem Schutz der Haut und der richtigen Verwendung von Handschuhen. Natürlich müssen alle Zuständigen diese kennen und anwenden. Die Tatsache, dass die Händedesinfektion ein Routinevorgang ist, darf uns nicht davon abhalten, sie sorgfältig und korrekt durchzuführen.

Wie viel Zeit sollte man sich für die Händehygiene nehmen?
Loss:
Die Dauer hängt von der Reinigungsmethode ab. Bei Verwendung von hydroalkoholischem Gel muss man die Hände etwa 30 Sekunden lang einreiben. Beim Waschen mit Wasser und Seife ist die Zeit mit 40 bis 60 Sekunden etwas länger.

Kann man sagen, dass eine unzureichende Händedesinfektion auch die Gesundheit gesunder Menschen beeinträchtigen kann?
Bertoli:
Ja. Die WHO bezeichnet die korrekte Händehygiene als eine gängige Maßnahme für die Bevölkerung und das Gesundheitspersonal. Sie ist maßgebend für die Sicherheit des Patienten und der Patientin, genauso wie die Pflege und Behandlung, die er oder sie unabhängig vom Gesundheitszustand erhält.

Müssen herkömmliche Seifen und solche, die von Beschäftigten im Gesundheitswesen verwendet werden, sowie Handgels bestimmte Eigenschaften aufweisen?
Loss:
Bei Handgelen muss die Lösung zu mindestens 60 Prozent aus Alkohol bestehen, der die antiseptische Komponente darstellt. Ein weiterer Bestandteil, der häufig in der Lösung enthalten ist, ist Glycerin, welches der Gesunderhaltung der Haut dient. Für Haushaltsseifen gibt es keine genauen Angaben, aber einige können in die Kategorie der medizinisch-chirurgischen Hilfsmittel fallen.

Zum Desinfizieres gehört auch das Abtrocknen der Hände. Zwischen Lufttrocknung, Papierhandtüchern und Stoffhandtuchspender – welche Methode ist auch aus ökologischer Sicht vorzuziehen?
Bertoli:
Uns vorliegende Erkenntnisse zeigen, dass das Trocknen mit Papierhandtüchern im Gesundheitsbereich zu empfehlen ist, auch da durch diese Methode des Trocknens zusätzlich Reibung entsteht, welche die Reinigung unterstützt. Darüber hinaus ist wissenschaftlich erwiesen, dass Händetrockner Mikroben und Keime bis zu zwei Meter weit verteilen und übertragen können. Sie sind daher für Gesundheitseinrichtungen nicht zu empfehlen. Handtücher sind in Ordnung, sofern sie sauber sind, jedoch sind Papierhandtücher in jedem Fall vorzuziehen.

Bezüglich Hygiene im Haushalt: Wie oft sollte ein Handtuch gewechselt werden, bevor es gesundheitsschädliche Keime und Bakterien überträgt?
Loss:
Das hängt von der Anzahl der Personen im Haushalt ab und davon, ob jedes Familienmitglied ein eigenes Handtuch hat. Wenn für die Hände nur ein Handtuch von allen benutzt wird, empfehlen wir, es nach spätestens zwei Tagen auszutauschen. Es wird jedoch immer empfohlen, ein persönliches Handtuch zu verwenden, das alle zwei bis drei Tage oder sobald Verschmutzungen sichtbar sind, gewechselt wird.

Die WHO hat den 5. Mai zum Welttag der Händehygiene erklärt. Plant der Sanitätsbetrieb irgendwelche Aktionen, um die Bevölkerung und das Personal für dieses Thema zu sensibilisieren?
Bertoli:
In diesem Jahr haben wir eine betriebliche Arbeitsgruppe eingerichtet, um einige neue Aktionen umzusetzen. Wir haben auch Studentinnen und Studenten aus dem Kurs für Sanitätsassistentinnen und Sanitätsassistenten der Claudiana miteinbezogen, die sich aktiv an der Gestaltung des Kampagnenplakats, nach dem Vorbild der WHO, beteiligt haben. Das Plakat wird in den Einrichtungen des Gesundheitsbetriebs, aber auch in Ambulatorien und Altersheimen verteilt werden. Außerdem werden wir die Plakate am Montag, den 6. Mai, an speziellen Ständen in den Krankenhäusern Bozen, Brixen, Bruneck und Meran aufhängen. Mit den Informationen versuchen wir, sowohl das Gesundheitspersonal als auch die Öffentlichkeit für die Händehygiene zu sensibilisieren. Darüber hinaus haben wir auch die vier pädiatrischen Abteilungen der Krankenhäuser miteinbezogen, damit dort die Kinder Zeichnungen anfertigen konnten. Diese werden im Rahmen einer Ausstellung, an der die örtlichen Schulen beteiligt sind, im Juni in einem eigenen Bereich ausgestellt. Abschließend gilt es zu betonen, dass wir alle Ebenen des Gesundheitswesens sowie alle Altersgruppen der Bevölkerung miteinbeziehen wollen.

Rocco Leo Übersetzung: Gaby Hell