Jede Aggression ist eine zu viel

14.03.2025, 07:00

Die Meldungen von Aggressionen gegen das Gesundheitspersonal häufen sich, immer wieder wird in den Medien von gewaltbereiten Patientinnen und Patienten oder deren Angehörige berichtet. Doch der Sanitätsbetrieb bleibt nicht untätig: Noch nie wurde so viel in die Sicherheit investiert wie jetzt.

Foto: 123rf
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Die Meldungen von Aggressionen in den Krankenhäusern sind deutlich angestiegen: Waren es im Jahr 2022 noch 136 Vorfälle, die gemeldet wurden, so waren es 2023 bereits 160 und 2024 187 Fälle. Dazu ist aber auch zu sagen, dass in den letzten Jahren eine verstärkte betriebsinterne Sensibilisierung stattfand, damit auch wirklich jeder Vorfall gemeldet wird.

Die Gründe für eine Eskalation sind vielfältig: Oft stellt eine medizinische Behandlung eine körperliche oder seelische Ausnahmesituation dar, zudem sind immer häufiger Alkohol und Drogen mit im Spiel. (Vermeintlich) lange Wartezeiten, psychiatrische Erkrankungen sowie Unzufriedenheit oder Verständigungsprobleme können auch zu schwierigen Situationen führen.

Betrachtet man das vergangene Jahr, so fällt auf, dass in der Landeshauptstadt Bozen 54 Fälle gemeldet wurden, in Meran, dem zweitgrößten Krankenhaus des Sanitätsbetriebes, 95 Fälle. Brixen und Bruneck liegen mit 11 beziehungsweise 27 Fällen im „Mittelfeld“.

Und es ist keine Überraschung, dass jene, die an vorderster „Front“ sind, am stärksten betroffen sind: In 155 Fällen richteten sich die Aggressionen gegen das Pflegepersonal, in 18 Fällen an das ärztliche Personal, dahinter folgen absteigend Pflegehelfer, Sozialassistenten, Verwaltungsmitarbeiter und Erzieher.

Die Aggressionen sind in der Mehrzahl verbaler Natur (136 gemeldete Vorfälle), in 73 Fällen entluden sie sich auf physische Art. Landesrat Hubert Messner, der im Spätherbst an einem Treffen zur öffentlichen Sicherheit teilgenommen hatte, sagt, es seien wichtige Schritte unternommen worden.
„Wer ins Krankenhaus kommt, um zu arbeiten oder um sich behandeln zu lassen, der muss darauf vertrauen können, dass dieses Umfeld sicher ist. In der Notaufnahme und in der pädiatrischen Notaufnahme am Krankenhaus Bozen gibt es einen roten Knopf, der die Ordnungskräfte umgehend alarmiert.

Wir werden auch die Anzahl der Videokameras – derzeit allein rund 15 im Krankenhaus Bozen - erhöhen und wird möchten die Zeitspanne, in der die Sicherheitskräfte uns unterstützen, ausweiten.“ Die Kameras sind direkt mit dem Wachdienst verbunden, der sofort eingreifen kann, wenn die Situation eskaliert. Derzeit gibt es einen Polizeiposten in den Notaufnahmen der Krankenhäuser Bozen und Meran, Landesrat Messner hat diesen Dienst auch für das Krankenhaus Brixen angefragt. Ebenso war es dem Landesrat ein Anliegen, noch mehr Kurse für den Umgang mit Gewaltsituationen für das Personal anzubieten – mittlerweile werden diese flächendeckend im Südtiroler Sanitätsbetrieb abgehalten.

Pflegedirektorin Marianne Siller ist es ebenfalls ein Herzensanliegen, dass sich das Personal im Südtiroler Sanitätsbetrieb, wo immer es auch im Einsatz ist, sicher fühlen kann: „Jeder, der in bestimmten neuralgischen Bereichen wie beispielsweise in der Notaufnahme, in der Psychiatrie oder an den Schaltern arbeitet, weiß um ein gewisses Berufsrisiko und wird auch geschult, um mit typischen Gewaltsituationen umzugehen. Trotzdem ist es unsere Aufgabe, alles zu unternehmen, was in unserer Macht steht, um Menschen, die anderen Menschen helfen, nicht in Gefahr zu bringen.“ Als besonders hilfreich haben sich hierbei die sogenannten Deeskalationskurse erwiesen, in denen erfahrene Trainerinnen und Trainer zeigen, wie man auf Provokationen, Aggressionen oder gar physische Gewalt am besten reagiert – denn jede Aggression ist eine zu viel.

Sabine Flarer