Mit virtueller Realität gegen Spielsucht

14.03.2025, 09:00

Die virtuelle Realität (VR) hat längst nicht mehr nur in der Unterhaltungsindustrie ihren Platz gefunden, sondern erweist sich auch in der Psychotherapie als wegweisende Innovation. Besonders bei der Behandlung von Spielsucht bietet diese Technologie im wahrsten Sinne des Wortes neue Perspektiven.

Foto: Sabes/Bad Bachgart
Foto: Sabes/Bad Bachgart

Im Therapiezentrum Bad Bachgart wird die VR-Therapie bereits erfolgreich eingesetzt, um eine der schwierigsten Süchte, die Spielsucht, zu behandeln. Laut Martin Fronthaler, dem Leiter der Einrichtung, ermöglicht die VR-Technologie spielsüchtigen Patientinnen und Patienten, sich in einer realistischen Spielsaal-Umgebung mit ihren Suchtmustern auseinanderzusetzen. Mithilfe einer Spezialbrille werden sie in diese virtuelle Welt versetzt, wo sie unter der Anleitung eines Therapeuten lernen, mit den auslösenden Reizen umzugehen. „Die Patienten üben, ihre Emotionen und die Anziehungskraft der Sucht zu bewältigen – und das alles in einem sicheren, therapeutischen Umfeld“, erklärt Fronthaler.

Wissenschaftlich belegt: Effektivität der VR-Therapie
Die Wirksamkeit der VR-Therapie ist durch zahlreiche Studien untermauert. Vor allem bei der Behandlung von Spielsucht und dem Umgang mit Craving (Suchtdruck) zeigt sich die Methode als äußerst hilfreich. Die immersive Technik erlaubt es Patientinnen und Patienten, sich in einem geschützten Rahmen schrittweise mit belastenden Situationen vertraut zu machen. Dabei wird das sogenannte „Habituationsprinzip“ genutzt: Die wiederholte Konfrontation mit auslösenden Reizen führt zu einer Gewöhnung und stärkt die Widerstandskraft der Betroffenen. „Um die Patienten optimal vorzubereiten, ist es wichtig, dass sie die Möglichkeit haben, diese Szenarien regelmäßig zu durchleben und zu üben“, betont Fronthaler. So werde ein langfristiger Übungseffekt erzielt, der sie auf den Ernstfall im realen Leben vorbereitet.

Einsatzmöglichkeiten über Spielsucht hinaus
Die Potenziale der VR-Therapie beschränken sich nicht nur auf die Behandlung von Spielsucht. Sie wird ebenso erfolgreich bei Angst- und Panikstörungen, Phobien sowie Unsicherheitsgefühlen eingesetzt. Je genauer die virtuellen Szenarien auf die individuellen Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten abgestimmt sind, desto stärker ist der Therapieerfolg. Um die bestmöglichen Ergebnisse zu erzielen, arbeitet das Therapiezentrum Bad Bachgart eng mit Peter Daldos und seinem Unternehmen Spherea3D zusammen. Gemeinsam produzieren sie hochwertige 3D-Filmsequenzen, die speziell auf die Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten und die Therapieziele zugeschnitten sind. „Wir konnten bei der Konzeption der Videos intensiv mitwirken und so sicherstellen, dass die Inhalte perfekt auf die spezifischen Herausforderungen unserer Patienten abgestimmt sind“, erklärt Fronthaler. Die VR-Therapie zeigt eindrucksvoll, wie moderne Technologie die Psychotherapie bereichern und neue Wege in der Behandlung komplexer psychischer Erkrankungen eröffnen kann. Mit ihren vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten und dem nachgewiesenen Therapieerfolg verspricht sie, ein wichtiger Baustein in der Zukunft der Psychotherapie zu werden.

Peter A. Seebacher

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Tagung

„Trauma-Sprache – das Trauma erzählbar machen“ nennt sich die Tagung, die das Bildungshaus Neustift und das Therapiezentrum Bad Bachgart des Südtiroler Sanitätsbetriebes gemeinsam organisieren.

Im Rahmen dieser Tagung am 2. April 2025 sollen die verschiedenen Formen des In-Beziehung-Tretens mit traumatisierten Menschen aufgegriffen sowie das Verständnis für die unterschiedlichen Sprachen des Trauma-Ausdrucks gefördert und mit den Teilnehmenden integrative Ansätze der Hilfestellung erarbeiten werden.

Ausführliche Informationen zur Tagung sowie die Möglichkeit zur Anmeldung gibt es unter: www.bildungshaus.it

Anmeldeschluss ist der 15. März 2025, ECM-Akkreditierung ist vorgesehen

Kontakt: Bildungshaus Kloster Neustift, Tel. +390472835588, E-Mail: bildungshaus@kloster-neustift.it