Psychotherapieprozess digital veranschaulicht

18.05.2024, 07:00

Die Psychiatrie des Gesundheitsbezirkes Bozen nutzt seit März 2023 in Zusammenarbeit mit Universitätsprofessor Günter Schiepek von der Medizinischen Privatuniversität (PMU) Salzburg und unter der Leitung von Primar Andreas Conca ein internetbasiertes Verfahren zur Erfassung, Analyse und Evaluation von Veränderungsprozessen in der Psychotherapie.

Abschlusstag des SNS-Kurses in Bozen: (v.l.) Monica Greco (Psychologin und Organisatorin), Landeshauptmann Arno Kompatscher, Silke Pfitscher (Psychologin und Organisatorin), Günter Schiepek (Kursleiter und Entwickler des SNS)
Abschlusstag des SNS-Kurses in Bozen: (v.l.) Monica Greco (Psychologin und Organisatorin), Landeshauptmann Arno Kompatscher, Silke Pfitscher (Psychologin und Organisatorin), Günter Schiepek (Kursleiter und Entwickler des SNS)

Ein appbasiertes System ermöglicht es Patientinnen und Patienten, eine tägliche Selbsteinschätzung in „Echtzeit“ (Real-Time-Monitoring) durchzuführen. Die Themenbereiche betreffen die Beziehung zu sich selbst sowie zur Umwelt und müssen sowohl für Patientinnen und Patienten als auch Therapeutinnen und Therapeuten bedeutsam sein. Das Synergetische Navigationssystem (SNS) – so die Bezeichnung – analysiert und visualisiert die eingegebenen Daten, die anhand von Diagrammen am Computer abgebildet werden können.

Damit ist es erstmals möglich, den gesamten Veränderungsprozess im Laufe von psychotherapeutischen Interventionen – unabhängig davon, welcher Schule diese entspringen – zu veranschaulichen und messbar zu machen. Dies stellt einen Paradigmenwechsel im Verständnis und der Beeinflussung von nichtlinearen komplexen Prozessen dar.

Zudem wird nicht nur die Selbsteinschätzung gemessen, sondern durch deren Abbildung fördert und unterstützt diese selbst den Veränderungsprozess. Damit wird ein Kulturwandel in der Behandlung allgemein möglich, der eine aktive Einbeziehung und Eigenverantwortung von Patientinnen und Patienten mit den Therapeutinnen und Therapeuten in die Interventionsgestaltung bedeutet. Das SNS wird berufsgruppenübergreifend angewandt und wirkt messbar teambildend. Das erlaubt qualitätsgesicherte sowie präzise personen- und teamspezifische wirksame Behandlungsansätze.

Der erste Fortbildungslehrgang zur Anwendung des SNS ist bereits abgeschlossen. Teilgenommen haben Ärzte, Psychologen, Krankenpfleger, Techniker der psychiatrischen Rehabilitation sowie Sozialassistenten.

Peter A. Seebacher