"Wir sind auch ein bisschen Psychologen"
Einst hießen sie Hygieneinspektoren, heute lautet ihre offizielle Bezeichnung „Techniker für die Vorbeugung im Bereich Umwelt und Arbeit“. Besonders im Sommer ist diese Berufsgruppe sehr viel unterwegs – geht es doch darum, landauf und landab in Schwimmbädern, auf Almen und in Hotels die Hygiene zu garantieren.
Armin Oberlechner aus dem Bezirk Bruneck macht seinen Job seit 25 Jahren: „Ich würde diesen Beruf wieder wählen, denn er ist sehr abwechslungsreich. Wir sind dreieinhalb Tage die Woche unterwegs, viel in der Natur, wenig am Schreibtisch.“ Einzig mit Menschen umgehen, das müsse man können und wollen, denn die Besuche – Oberlechner und sein Kollege kümmern sich vor allem um die Trink- und Badewasserhygiene – werden nicht immer wohlwollend gesehen, zumal die Techniker unangemeldet auftauchen.
Doch meist sei alles in Ordnung, vor allem bei den Freibädern: „Diese haben heutzutage fast alle einen gut ausgebildeten Techniker, der ständig alles überwacht. Etwas kritischer ist es manchmal bei Hotelbetrieben, denn dort steht und fällt die optimale Wasserhygiene mit der korrekten Wartung durch den Besitzer. Doch wir versuchen immer, beratend zur Seite zu stehen und zu informieren. In diesem Sinne sind wir auch ein bisschen Psychologen“. Gibt es etwas zu beanstanden, folgt ein Kontrollbesuch, in den allerseltensten Fällen müssen Schwimmbad oder Whirlpool für einige Zeit stillgelegt werden. Gerade die beliebten Whirlpools in den Wellnesstempeln seien ein Risiko für Legionellen-Befall, weil das warme Wasser die Bakterienvermehrung erleichtere. „Früher sind kranke und fragile Personen meist gar nicht in den Urlaub gefahren, heute hat sich das geändert. Wenn nun diese in den Whirlpool steigen, können sie sich Erkrankungen einfangen, die für sie schwerwiegend sein können“, so Oberlechner.
Eine gänzlich andere Kontrollfunktion übt das Team um Klaus Jakomet des tierärztlichen Dienstes aus: Seine Mann- und Frauschaft überprüft Betriebe, die tierische Lebensmittel herstellen und die Futtermittelsicherheit. Durch die strenge Gesetzgebung in diesem Bereich sind relativ viele Besuche bei den Bauern und Betriebsinhabern angesagt, „deshalb haben wir mit den meisten fast schon ein freundschaftliches Verhältnis“, so Jakomet. Auch er sagt, Südtirols Konsumentinnen und Konsumenten können sich sicher fühlen, denn Verstöße seien sehr selten: „Auf 670 Stichproben waren im letzten Jahr nur 16 zu beanstanden und auch im Rahmen dieser Beanstandungen geht es manchmal nur um Kleinigkeiten, zum Beispiel um die korrekte Etikettierung.“
Der Trend gehe in Richtung Direktvermarktung, was für den Verbraucher sicher positiv sei: „Auch wenn das Schnitzel vom Discounter mikrobiologisch unbedenklich ist, reden wir hier doch von einer gänzlich anderen Dimension an Nährwert, Tierschutz und Umweltbewusstsein.“ Und er bricht eine Lanze für Südtirols kleinstrukturierte Viehbetriebe: „Wo, bitte, auf der Welt, hat jede Kuh noch einen eigenen Namen?“
Sommerzeit ist Hochsaison auch für Thomas Kofler aus Bruneck: „Dann heißt es Hütten, Jausenstationen und Almen überprüfen.“ Sein Team kümmert sich um die Lebensmittelüberprüfung – vom Anbau bis hin zur Verarbeitung oder Verabreichung, etwa, ob die Eier für den Kaiserschmarren auch ordnungsgemäß gelagert wurden. Der Endkonsument soll sich sicher fühlen können: „Wir überprüfen Räume, Geräte, Aufbewahrungsbehälter – es ist auch schon vorgekommen, dass Lebensmittel in ungeeigneten Plastiksäcken gelagert wurden –, Kühlkette, Schulungsunterlagen.“ Ganz wichtig sei auch die Schadstoffmessung des Frittierfettes, damit es nicht als verdorben gilt. Die häufigsten Beanstandungen seien nicht durchgeführte und dokumentierte Eigenkontrollen HACCP, mangelhafte Wartung und Reinigung der Betriebsräume und der Geräte oder eine unterbrochene Kühlkette, in sehr seltenen Fällen bringe dies auch Strafanzeigen mit sich.
Einer der eklatantesten Fälle sei jener gewesen, bei dem die Kühlung völlig gefehlt habe – das gekochte Essen sei in einer Nebenhütte offen abgestellt gewesen. Koflers Tipp für zuhause: „Gekochtes, welches später gegessen oder aufgewärmt wird, schnell abkühlen, beispielsweise in einem kalten Wasserbad, danach in den Kühlschrank. Gerade beliebte Gerichte wie Reis können sonst zu Problemen führen.“
Vom Essen zur Schönheit - in den letzten Jahren ist ein Boom an Einrichtungen zu verzeichnen, welche sich dem äußeren Erscheinungsbild widmen: „Egal ob Schönheitssalons, Tattoostudios oder auch ästhetische Chirurgie – die Nachfrage ist da, die Menschen investieren immer mehr in ihre äußere ‚Optimierung‘“, so Technikerin Katuscia Cavazzana in Bozen. „Wir kontrollieren Schönheitssalons und sanitäre Einrichtungen, das heißt, vom Friseursalon bis zum Nagelstudio, aber auch von der Zahnarztpraxis bis zur Privatklinik.“ Auch sie stellt Südtirols Einrichtungen und deren Betreibern grundsätzlich ein gutes Zeugnis aus: „Wir haben sehr selten schwarze Schafe und wenn, dann liegt es oft an der mangelnden Information. Gerade in der Peripherie passiert es manchmal, dass Infos zu bestimmten Desinfektionsmaßnahmen nicht bekannt sind. Deshalb ist unsere Aufgabe auch eine beratende.“ Außendiensttermine werden meist zu zweit wahrgenommen, danach folgt die notwendige Büroarbeit. Cavazzana erinnert sich noch an ihre Anfangszeit vor rund 30 Jahren: „Damals haben wir ohne Computer gearbeitet, heute geht gar nichts mehr, wenn der mal ausfällt.“ Berufsbedingt bleibe ihr kritischer Blick auch in der Freizeit: „Ich kann gar nicht anders, wenn ich etwa zum Zahnarzt gehe, schweift mein Kontrollblick immer mit.“
Sabine Flarer
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Der Beruf des Technikers für die Vorbeugung im Bereich Umwelt und Arbeit ist ein dreijähriger Laureatsstudiengang und wird am Universitären Ausbildungszentrum für Gesundheitsberufe Claudiana angeboten. Im Südtiroler Sanitätsbetrieb arbeiten die Technikerinnen und Techniker meist im betrieblichen Dienst für Hygiene und öffentliche Gesundheit (SISP) oder im betrieblichen Dienst für Hygiene der Lebensmittel und der Ernährung (SIAN), außerdem im Tierärztlichen Dienst und in den Bereichen Arbeitssicherheit.

