Von der Äthernarkose zur modernen Hochleistungsmedizin

15.10.2026, 07:00

Vor 180 Jahren wurde Medizingeschichte geschrieben: Am 16. Oktober 1846 gelang erstmals die öffentliche Demonstration einer Äthernarkose. Der Welttag der Anästhesie am 16. Oktober erinnert an diesen Meilenstein, der schmerzfreie Operationen ermöglichte und die moderne Chirurgie entscheidend voranbrachte.

Der Weltäthertag erinnert an die wichtige Rolle der Anästhesie in der modernen Medizin. (Foto Philipp Franceschini)
Der Weltäthertag erinnert an die wichtige Rolle der Anästhesie in der modernen Medizin. (Foto Philipp Franceschini)

Das Fach für Anästhesie und Intensivmedizin ist eine relativ junge, aber moderne Disziplin, erklärt Primar Dr. Marc Kaufmann, im Südtiroler Sanitätsbetrieb zuständig für den Dienst Notfall-, Anästhesie und Intensivmedizin am Landeskrankenhaus Bozen. Die Ausbildung zum Facharzt dauert in den meisten europäischen Ländern 6 Jahre nach absolviertem Medizinstudium. „Der Anästhesie- Arbeitsplatz im Operationssaal ist sehr ähnlich aufgebaut wie auf der Intensivstation. Es gibt eine Reihe von Hightech-Geräten wie diverse Monitore, Infusionspumpen, Beatmungsgerät usw. die zum Einsatz kommen. Viele Patienten-Parameter werden kontinuierlich überwacht, z.B. die Sauerstoffsättigung im Blut und evtl. auch im Gehirn, die Narkosetiefe, die Herzfrequenz, das EKG, der Blutdruck, die Körpertemperatur, Nierenfunktion - aber auch die Bestimmung der Blutgase, Blutgerinnung, Elektrolyte und einiges mehr sind jederzeit möglich“, so Kaufmann.

Heute stehen unterschiedliche moderne Anästhesieverfahren zur Verfügung, die je nach Art und Umfang des Eingriffs sowie nach den individuellen Voraussetzungen der Patientinnen und Patienten eingesetzt werden. Grundsätzlich wird zwischen einer Allgemeinanästhesie, der sogenannten „Vollnarkose“, und verschiedenen Regionalanästhesieverfahren unterschieden. Beides kann auch miteinander kombiniert werden.

„Bei der Allgemeinanästhesie wird der Patient in eine künstliche Bewusstlosigkeit versetzt, das heißt, er schläft während der Operation sehr tief und muss in der Regel beatmet werden“, erklärt Dr. Kaufmann. Bei einer Regionalanästhesie hingegen bleibt die Patientin oder der Patient grundsätzlich wach und atmet selbstständig. Dabei wird durch den örtlichen Einsatz von Lokalanästhetika die Weiterleitung von Schmerzreizen in bestimmten Körperregionen für mehrere Stunden blockiert. Beispiele dafür sind die Spinal- oder Periduralanästhesie, oft auch als „Kreuzstich“ bezeichnet, sowie periphere Nervenblockaden an der oberen oder unteren Extremität, die heute meist ultraschallgezielt durchgeführt werden.

Welche Anästhesieform zum Einsatz kommt, hängt wesentlich vom geplanten Eingriff ab. Bei größeren und längeren Operationen, etwa am Gehirn, am Herzen, an der Lunge oder im Bauchraum, ist in der Regel eine Allgemeinanästhesie notwendig. 

In den vergangenen Jahrzehnten haben sich die Anästhesie und die technischen Möglichkeiten der Patientenüberwachung ganz wesentlich weiterentwickelt. Dabei geht die Aufgabe der Anästhesistinnen und Anästhesisten längst weit über die eigentliche Narkose hinaus. „Die anästhesiologische Betreuung beschränkt sich nicht nur rein auf den operativen Eingriff, sondern muss, viel weiter gefasst und als Perioperative Medizin verstanden werden“, betont Dr. Kaufmann.
Die Betreuung beginnt bereits vor dem Eingriff mit der Einschätzung möglicher Risiken, der Aufklärung und Vorbereitung und setzt sich nach der Operation im Aufwachraum beziehungsweise, falls erforderlich, auf der Intensivstation fort.

Entscheidend ist das Zusammenspiel unterschiedlicher Verfahren und Techniken: „Nur das komplette Spektrum, wie es in einer modernen Anästhesie angeboten wird, garantiert eine hohe Patientensicherheit, einen hohen Komfort und letztlich ideale operative Bedingungen“, fasst Dr. Kaufmann zusammen.

Information für die Medien:
Abteilung Kommunikation, Südtiroler Sanitätsbetrieb, Tel. 366 6982268

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