„Derzeit die vielversprechendsten Systeme“

29.06.2026, 09:45

Im Dienst für Anatomie und Histologie werden täglich Abstriche zur Entdeckung von Gebärmutterhalskrebs („Pap-Tests“) analysiert. Primaria Dr.in Esther Hanspeter freut sich, dass der Dienst seit Kurzem über eine neue Software verfügt, die mit künstlicher Intelligenz eine noch größere Treffsicherheit ermöglicht. Sie erklärt uns, wie eine Auswertung abläuft.

Die Zytologinnen und Zytologen des Dienstes zusammen mit Primaria Dr.in Esther Hanspeter und dem Pathologen Dr. Giovanni Negri (v.l.n.r.: Bettina Rigo, Daniela Secolo, Fabiana Nones, Marco Coati, Dr. Giovanni Negri, Primaria Dr.in Esther Hanspeter, Armin Kasal, Elena Macciocu, Gessica Gerra. Es fehlt Pathologin Dr.in Emma Bragantini) (Foto: Esther Hanspeter)
Die Zytologinnen und Zytologen des Dienstes zusammen mit Primaria Dr.in Esther Hanspeter und dem Pathologen Dr. Giovanni Negri (v.l.n.r.: Bettina Rigo, Daniela Secolo, Fabiana Nones, Marco Coati, Dr. Giovanni Negri, Primaria Dr.in Esther Hanspeter, Armin Kasal, Elena Macciocu, Gessica Gerra. Es fehlt Pathologin Dr.in Emma Bragantini) (Foto: Esther Hanspeter)

Dr.in Hanspeter, Ihr Dienst verfügt seit Kurzem über eine hochmoderne Software, die Abstriche auf Gebärmutterhalskrebs („Pap-Tests“) aus dem ganzen Land in Sekundenschnelle analysieren kann. Was ist das Besondere an dieser Technik?
Es handelt sich um ein KI-gestütztes System, das die Arbeit der Zytologinnen und der Zytologen nicht ersetzt, sondern diese bei der Auswertung von Pap-Abstrichen unterstützt. Das System beschleunigt somit die Befundung von Pap-Abstrichen, sodass sich die Geschwindigkeit sogar verdoppeln lässt. Da jedoch immer die menschliche Endkontrolle wichtig ist, können die Befunde trotzdem nicht innerhalb von Sekunden erstellt werden. Es geht aber nicht nur um die Geschwindigkeit der Befundung – natürlich auch unerlässlich in Zeiten von Personalmangel oder erhöhter Nachfrage –, sondern vor allem um die Genauigkeit in der Aussagekräftigkeit des Pap-Tests, was somit zu einer besseren Vorsorge führt. Es gibt mittlerweile zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten, die die Pap-Test- Auswertung durch künstliche Intelligenz bestätigen.

Wie viele Tests werden in Ihrem Dienst befundet?
Die Zahl der jährlich durchgeführten Pap-Tests in unserer Abteilung liegt bei über 36.000.

Wie läuft eine KI-Erstbefundung ab, was sind die Folgeschritte?
Frauen im Alter zwischen 25 und 30 Jahren, die nicht gegen HPV geimpft wurden, werden direkt zum Pap-Test eingeladen. Bei Frauen über 30 Jahren ist der Test der ersten Stufe hingegen der molekulare HPVTest. Nur wenn dieser positiv ausfällt, wird ein Pap-Test durchgeführt. Die Probenentnahme für den HPV-Test, für den Pap- Test und für den Pap- Test mit KI-gestützter Auswertung erfolgt auf absolut identische Weise wie vor der Einführung der künstlichen Intelligenz. Im Falle des Pap-Tests ist auch die Anfertigung eines zytologischen Objektträgers (des Pap-Tests) im Wesentlichen unverändert geblieben und erfolgt in unserem Labor. Anstatt direkt unter dem Mikroskop von zytologischem Fachpersonal ausgewertet zu werden, wird der Pap-Test nun jedoch zunächst von einem Spezialscanner gescannt und digitalisiert. Der so erstellte digitale Pap-Test wird anschließend von einem auf künstlicher Intelligenz basierenden System analysiert, das nach möglichen abnormalen Zellen sucht, die dann hervorgehoben und einer Zytologin bzw. einem Zytologen auf einem hochauflösenden Bildschirm angezeigt werden. Erst dann wird die Diagnose getroffen. Bei Zweifeln kann natürlich der gesamte Pap-Test angeschaut werden, wie es vor der Einführung der KI üblich war.

Gibt es verschiedene Stufen von positiven Befunden? Ja, denn die Testergebnisse können negativ sein (zum Glück in den meisten Fällen), aber sie können auch leichte bis stärkere Veränderungen aufweisen. Je nach Ausmaß der Veränderungen kann sich die Behandlung der Patientin durch die Gynäkologin oder den Gynäkologen ändern Grundsätzlich wird die Patientin jedoch in den meisten Fällen bei einem positiven Ergebnis in kürzeren Abständen kontrolliert oder zu einer weiterführenden gynäkologischen Untersuchung überwiesen. 

Wie viele Tests sind negativ, wie viele positiv?
Mehr als 90 % der Tests von Frauen, die an der Vorsorgeuntersuchung teilnehmen, sind negativ.

Wie werden die Patientinnen informiert?
Das Ergebnis der Vorsorgeuntersuchung wird, unabhängig von der Art des Tests, unverzüglich der überweisenden Ärztin oder dem überweisenden Arzt – in der Regel einem Gynäkologen – und der Frau per Brief mitgeteilt.

Braucht es für die Auswertung mit dieser Software eine eigene Schulung?
Alle Zytologinnen und Zytologen, die mit künstlicher Intelligenz arbeiten, haben vor deren Einsatz eine spezielle Schulung absolviert.

Sind weitere Anschaffungen dieser Art in Ihrem Dienst geplant?
Der Einsatz künstlicher Intelligenz in der zytologischen und histologischen Diagnostik ist keine Option, sondern eine unvermeidliche Weiterentwicklung unserer Arbeit, auf die wir mit Spannung warten, da sie uns, den Klinikern und den Patientinnen und Patienten neue Perspektiven eröffnen wird. Wir haben zunächst mit dem Pap- Test begonnen; wir werden sehen, was in nächster Zeit noch auf uns zukommt …

Sabine Flarer