Doping im Sport: zwischen Leistungsstreben und gesellschaftlichem Druck
Doping ist längst kein Thema mehr nur für den Spitzensport. Auch im Amateur- und Breitensport wächst der Druck, leistungsfähiger, stärker und erfolgreicher zu sein. Der Sport- und Bewegungsmediziner Dr. Elio Assisi erklärt im Interview, warum Menschen zu verbotenen Mitteln greifen, welche gesundheitlichen Risiken oft unterschätzt werden – und warum Prävention so wichtig ist. Dabei handelt es sich um ein gemeinsames Projekt der Sportmedizin und des Departments für Prävention.
Dr. Assisi, welche Formen des Dopings sind im Amateur- und Breitensport am weitesten verbreitet?
Im Amateursport, insbesondere im Bodybuilding und im Gewichtheben, sind anabole Steroide auf Testosteronbasis sehr verbreitet. Dabei handelt es sich um Substanzen, die die Kraft und die Muskelleistung steigern, mit dem Ziel, die sportliche Leistung zu verbessern.
Und im Profisport? Gibt es Unterschiede zum Amateursport?
Im Profisport kommen auch Substanzen zum Einsatz, die den Sauerstofftransport verbessern, wie beispielsweise Erythropoetin. Der Unterschied liegt weniger im Ziel als in der Methode: Sowohl im Profi-, als auch im Amateursport geht es darum, Kraft und Ausdauer künstlich zu steigern.
Gibt es auch „ausgefeiltere“ oder schwerer zu erkennende Praktiken?
Ja, es gibt Methoden, die schwerer nachzuweisen sind, wie beispielsweise blutbezogene Techniken oder die Verwendung von Maskierungsmitteln, zum Beispiel Diuretika. Letztere werden vor allem in Kampfsportarten eingesetzt, um die Gewichtsklassen einzuhalten.
Was sind die Motive, die Amateursportlerinnen und -sportler dazu bewegen, verbotene Mittel zu nehmen?
Das Hauptmotiv ist der Wunsch, um jeden Preis zu gewinnen. Oft handelt es sich um ein Bedürfnis nach persönlicher Bestätigung und um das Erreichen von Ergebnissen, die sonst nur schwer zu erreichen wären. Hinzu kommt, dass sich viele auf Mundpropaganda verlassen, ohne sich an Expertinnen oder Experten zu wenden. Vielen ist gar nicht bewusst, dass sie bereits zu Dopingmitteln greifen.
Kann man auch von einer narzisstischen Komponente sprechen?
Ja, es gibt sicherlich eine Komponente, die mit dem äußeren Erscheinungsbild und dem Wunsch, sich abzuheben, zusammenhängt. Der Wunsch, erfolgreich zu sein und dabei auch ein bestimmtes Körperbild zu erfüllen, spielt oft eine wichtige Rolle.
Wie stark wirkt sich der soziale Druck auf das Doping im Amateursport aus?
Sehr stark. Der Druck kann vom sportlichen Umfeld, von Vereinen, Trainerinnen und Trainern, aber auch von der Familie ausgehen. Oft sind es gerade die Menschen, die der Sportlerin oder dem Sportler am nächsten stehen, die einen negativen Einfluss ausüben, indem sie immer höhere Leistungen erwarten oder, schlimmer noch, einfordern.
Welche gesundheitlichen Schäden kann Doping konkret verursachen?
Doping kann erhebliche Schäden am Herz-Kreislaufsystem, an Nieren oder Leber verursachen. Es gibt Fälle von Kardiomyopathien, Tumoren und anderen schweren Erkrankungen. Oft sind sich diejenigen, die diese Substanzen nehmen, der Risiken überhaupt nicht bewusst.
Sind Familien, Vereine und Sportstudios darauf vorbereitet, dieses Problem anzugehen?
Leider nein. Es herrscht ein großer Informationsmangel. Gerade deshalb braucht es mehr Aufklärung – in Schulen, Vereinen und Fitnessstudios. Das Gesundheitspersonal spielt dabei eine wichtige Rolle.
Welche Strategien können wirksam sein, um Doping zu verhindern, insbesondere im Amateursport?
Es ist von grundlegender Bedeutung, auf Information und Aufklärung zu setzen: Konferenzen, Veranstaltungen in Schulen, Aktivitäten in Fitnessstudios und Sportvereinen. Wichtig ist eine Sportkultur, die Fairness, Gesundheit und realistische Leistungsziele in den Mittelpunkt stellt. In diesem Zusammenhang muss auch das Gesundheitspersonal durch laufende Weiterbildung seinen Beitrag leisten.
Rocco Leo/Übersetzung: Sabine Flarer