Gemeinsam stärker: Community Building rund um das Gemeinschaftshaus Neumarkt

29.06.2026, 09:35

Wie kann Versorgung besser gelingen, wenn alle Beteiligten enger zusammenarbeiten? Das innovative Pilotprojekt in Neumarkt erprobt neue Formen der Vernetzung – für eine besser abgestimmte Betreuung vor Ort.

Auftaktveranstaltung Open Space im Sprengel Neumarkt (Foto: Sabina Frei)
Auftaktveranstaltung Open Space im Sprengel Neumarkt (Foto: Sabina Frei)

Die Gesundheits- und Sozialversorgung steht vor einem tiefgreifenden Wandel. Eine älter werdende Bevölkerung, komplexere Krankheitsbilder und steigende Anforderungen an Betreuung und Pflege machen deutlich: Klassische, oft voneinander getrennte Strukturen stoßen zunehmend an ihre Grenzen. Um diesen Entwicklungen wirksam zu begegnen, müssen Betreuung und Angebote stärker zusammengedacht und aufeinander abgestimmt werden.

Gerade an den Schnittstellen zeigen sich die größten Herausforderungen. Gesundheits- und Sozialdienste sowie Akteurinnen und Akteure der Zivilgesellschaft arbeiten häufig nebeneinander statt miteinander. Dadurch bleiben wertvolle Synergien ungenutzt und die Betreuung kann nicht immer so koordiniert erfolgen, wie es für komplexe Lebenssituationen notwendig wäre.

Auf diese Entwicklung reagiert das Land Südtirol mit dem Aufbau von insgesamt 12 Gemeinschaftshäusern (GH), die bis 2028 in ganz Südtirol entstehen. Sie bündeln verschiedene Dienste an einem Ort, fördern die interdisziplinäre Zusammenarbeit und nutzen vorhandene Synergien gezielt. Damit soll die wohnortnahe und umfassende Versorgung der Patientinnen und Patienten gestärkt werden.

Das geplante Gemeinschaftshaus in Neumarkt setzt diesen Ansatz mit dem Pilotprojekt „Community Building“ konkret in die Praxis um. Im Mittelpunkt steht der gezielte Aufbau tragfähiger Netzwerke zwischen Fachkräften und Zivilgesellschaft. Von Anfang an wird das Gemeinschaftshaus bewusst in die lokale Gemeinschaft eingebettet.

Die Vernetzung erfolgt auf zwei Ebenen: innerhalb des Sprengels und im gesamten Einzugsgebiet. Den Auftakt bildete der Open Day am 6. Mai 2026. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Sozial- und Gesundheitssprengels tauschten sich darüber aus, wie sie über Berufs- und Organisationsgrenzen hinweg noch besser zusammenarbeiten können. Im Mittelpunkt der insgesamt 12 Gesprächsrunden standen Fragen wie: Wie können Informationsflüsse verbessert werden? Welche Möglichkeiten für informellen Austausch gibt es im Haus? Wie kann sich das Haus stärker für die Zivilgesellschaft öffnen?

Im Anschluss daran fanden im Mai 2026 insgesamt drei gemeindeübergreifende Vernetzungsveranstaltungen mit Vereinen und Verbänden von Truden, Tramin und Kurtinig statt. Vertreterinnen und Vertreter von Feuerwehr und Pfarrcaritas bis hin zu Bauernbund und VKE machten die auf dem Sprengelgebiet bereits vorhandenen Ressourcen sichtbar.

Die bisherigen Erfahrungen zeigen, welches Potenzial in diesem Ansatz steckt und dass der eingeschlagene Weg konsequent weiterverfolgt werden sollte. Patientinnen und Patienten profitieren von einer besser abgestimmten Betreuung, die ihre Lebensrealität stärker berücksichtigt. Gleichzeitig erleben Mitarbeitende eine engere Abstimmung, klarere Kommunikationswege und neue Handlungsspielräume. So entsteht Schritt für Schritt eine „sorgende Gemeinschaft“, in der Teilhabe, Vernetzung und gegenseitige Unterstützung selbstverständlich werden, um die Qualität der Versorgung nachhaltig zu stärken.

Ina Baumbach