Wohnortnahe Gesundheitsversorgung nach dem PNRR

30.10.2026, 16:30

Bei einer Fachtagung am 30. Oktober 2026 in Bruneck standen die Umsetzung der wohnortnahen Gesundheitsreform in Südtirol, innovative Versorgungsmodelle und die Perspektiven bis 2030 im Mittelpunkt.

(v.l.) Dr.in Siglinde Rottensteiner, Dr. Stefano Moscardini, Dr. Francesco Enrichens, Dr. Johannes Ortler, Dr. Marco Santarelli, Dr.in Marianne Siller, Dr. Arian Zaboli, Dr.in Judith Gostner, Dr. Cesare Moro, Dr.in Elisabeth Montel, Dr.in Sabina Frei, Dr.in Christina Troi, Dr. Christian Kofler (Foto: Sabes/Peter A. Seebacher)
(v.l.) Dr.in Siglinde Rottensteiner, Dr. Stefano Moscardini, Dr. Francesco Enrichens, Dr. Johannes Ortler, Dr. Marco Santarelli, Dr.in Marianne Siller, Dr. Arian Zaboli, Dr.in Judith Gostner, Dr. Cesare Moro, Dr.in Elisabeth Montel, Dr.in Sabina Frei, Dr.in Christina Troi, Dr. Christian Kofler (Foto: Sabes/Peter A. Seebacher)

Wie kann die wohnortnahe Gesundheitsversorgung langfristig gestärkt werden, wenn die Maßnahmen des staatlichen Aufbau- und Resilienzplans (PNRR) auslaufen? Mit dieser Frage beschäftigten sich am 30. Oktober 2026 Fachleute aus dem Gesundheitsbereich, der Landesverwaltung und anderen Regionen Italiens
bei der Tagung „Mission 6 – die Stunde Null: Stärkung der wohnortnahen Gesundheitsversorgung nach dem PNRR“. Im Mittelpunkt der Tagung in Bruneck standen dabei der bisherige Umsetzungsstand der wohnortnahen Gesundheitsreform, Erfahrungen mit neuen Versorgungsmodellen und die Frage, wie die angestoßenen Veränderungen über das Jahr 2026 hinaus weitergeführt werden können.
Eröffnet wurde die Veranstaltung von Dr. Michael Mayr, Direktor des Ressorts Gesundheitsvorsorge und Gesundheit, und Dr. Christian Kofler, Generaldirektor des Südtiroler Sanitätsbetriebes. Die Tagung selbst richtete sich an Mitarbeitende des Südtiroler Sanitätsbetriebes, Ärztinnen und Ärzte für Allgemeinmedizin, Kinderärztinnen und Kinderärzte, sowie Mitarbeitende von Sozialdiensten, Mitgliedern von Freiwilligen- und Patientenverbänden.

Entwicklung bis 2030
Francesco Enrichens, Experte für das PNRR-Transparenzportal und Projektmanager PON GOV „Chronizität“ der Nationalen Agentur für regionale Gesundheitsdienste AGENAS (Agenzia Nazionale per i Servizi Sanitari Regionali), widmete seinen Vortrag der Umsetzung der PNRR-Mission 6. Sein Beitrag behandelte den Stand der wohnortnahen Gesundheitsreform, die bisher erzielten Ergebnisse sowie die Perspektiven bis 2030.
Dr. Johannes Ortler, Direktor des Amtes für Gesundheitssteuerung des Landes, stellte den Stand der Umsetzung der wohnortnahen Gesundheitsreform in Südtirol sowie die erreichten Fortschritte vor. Ein weiterer Schwerpunkt war die sozio-sanitäre Integration: Dr. Michael Mayr und Dr.in Michela Morandini, Direktorin des Ressorts für sozialen Zusammenhalt, Familie, Senioren, Genossenschaften und Ehrenamt, beleuchteten die Bedeutung einer engeren Zusammenarbeit zwischen Gesundheits- und Sozialwesen.

Rolle der Gemeinschaftshäuser
Ein weiterer Schwerpunkt der Tagung lag auf den Gemeinschaftshäusern und ihrer Rolle in der wohnortnahen Versorgung. Stefano Moscardini, Hausarzt und Präsident der Genossenschaft „La Rosa Salute“ in der Toskana, brachte Erfahrungen aus dem Gesundheitszentrum „La Rosa“ in Terricciola ein. Sein Beitrag zeigte anhand eines Praxisbeispiels, wie ein Gemeinschaftshaus organisiert werden kann. Die Einbindung der Hausärztinnen und Hausärzte in die Gemeinschaftshäuser in Südtirol war Thema eines weiteren Beitrags von Dr. Michael Mayr und Dr.in Elisabeth Montel, Direktorin des Gesundheitsbezirks Brixen. Dabei ging es um die Überführung der vorgesehenen Modelle in die praktische Umsetzung.
Zum Abschluss richteten Pflegedirektorin Dr.in Marianne Siller und Dr.in Christina Troi, Sanitätskoordinatorin Gesundheitsbezirk Brixen, den Blick auf die Vision 2030 für die wohnortnahe Gesundheitsversorgung in Südtirol.

„Mit der Umsetzung des PNRR stehen wir in Südtirol mittlerweile nicht mehr bei Stunde Null: Mit inzwischen acht geöffneten Gemeinschaftshäusern und der 116117 als Pilot in Betrieb haben wir bereits wesentliche Meilensteine erreicht und wichtige Grundlagen für eine stärkere wohnortnahe Gesundheitsversorgung geschaffen. Die bisherigen Erfahrungen bestätigen uns in diesem eingeschlagenen Weg. Jetzt gilt es, diesen Weg fortzusetzen, die neuen Strukturen gemeinsam mit allen beteiligten Akteuren weiterzuentwickeln und mit Leben zu füllen, um die Gesundheitsversorgung für die Menschen in Südtirol nachhaltig zu verbessern“, betont Dr. Michael Mayr.

Dr. Christian Kofler unterstreicht: „Die eigentliche Herausforderung beginnt erst dann, wenn die neuen Strukturen im Alltag funktionieren. Entscheidend ist, dass die verschiedenen Dienste gut zusammenarbeiten und aufeinander abgestimmt sind. Gerade deshalb war der heutige Austausch so wichtig. Das gemeinsame Ziel ist klar: Wir wollen die Versorgung näher zu den Menschen bringen. Wir wollen Patientinnen und Patienten dort begleiten, wo sie leben. Die Angebote sollen für die Menschen einfach zugänglich und gut aufeinander abgestimmt sein.“

Dr.in Marianne Siller hebt die Wichtigkeit der Vernetzung hervor: „Wohnortnahe Gesundheitsversorgung bedeutet, den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen und die verschiedenen Berufsgruppen und Dienste stärker miteinander zu vernetzen. Die Mitarbeitenden der Gesundheitsberufe spielen dabei eine zentrale Rolle: Sie begleiten Menschen und ihre Familien über verschiedene Lebensphasen hinweg und tragen wesentlich dazu bei, dass die Versorgung koordiniert, kontinuierlich und möglichst nahe am eigenen Zuhause erfolgt. Unser Ziel ist es, diese Zusammenarbeit weiterzuentwickeln und die angestoßenen Veränderungen auch über das Ende des PNRR hinaus nachhaltig zu verankern.“

pas

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