"Klarer Kopf und Menschlichkeit"
Der 38-jährige Patrick Clauser ist seit wenigen Monaten Pflegekoordinator in der Notaufnahme des Krankenhauses von Bruneck. Eine neue Aufgabe, mit der er weiterhin an vorderster Front für Patientinnen und Patienten da ist.
Der aus dem Nonstal stammende Patrick Clauser blickt offen und reflektiert auf seinen beruflichen Werdegang zurück. Heute ist er Pflegekoordinator in der Notaufnahme von Bruneck, nachdem er acht Jahre in der orthopädischen Abteilung des Krankenhauses von Bozen und die folgenden sechs Jahre in der Notaufnahme desselben Krankenhauses verbracht hat.
„Ich habe meine Karriere in Bozen begonnen, wo ich acht Jahre lang in der Orthopädie gearbeitet habe. Das war eine grundlegende Erfahrung für meine berufliche Entwicklung, aber ich fühlte mich schon immer stark zur Akutmedizin hingezogen“, erzählt Clauser. Der Wechsel in die Notaufnahme erfolgte in einer äußerst schwierigen Phase, nämlich während der Covid-Pandemie.
Eine Entscheidung, die gut überlegt getroffen wurde: „In dieser Zeit haben wir einen starken Teamgeist und ein echtes Zusammengehörigkeitsgefühl erlebt. So dramatisch es auch war, es war eine intensive und einzigartige Erfahrung, geprägt von einem starken Zusammenhalt im Team. Man spürte deutlich, dass wir alle ein gemeinsames Ziel hatten.“
Aber die Notaufnahme bedeutet auch, sich mit dem Tod auseinanderzusetzen. Ein heikler Aspekt, der jedoch Teil der Arbeit ist.
„Ich versuche, sachlich damit umzugehen: Ich frage mich, ob wir alles Mögliche getan haben. Wenn die Antwort ja lautet, kann ich das Geschehene akzeptieren“, erklärt er, „aber es gibt Situationen, die Spuren hinterlassen, vor allem wenn man die Verzweiflung der Angehörigen des Verstorbenen miterlebt.“
Für ihn ist es jedoch entscheidend, ein gesundes Gleichgewicht zwischen Arbeit und Privatleben zu wahren, denn zu viel Empathie kann Risiken mit sich bringen: „Alles mit nach Hause zu nehmen, ist gefährlich. Als Krankenpfleger in der Notaufnahme muss man den Tod als Teil der Arbeit betrachten, ohne jedoch jemals die menschliche Seite aufzugeben. Man muss verstehen, was der andere gerade durchmacht, sich aber nicht vollständig in ihn hineinversetzen. Wenn man sich zu sehr einlässt, läuft man Gefahr, den klaren Kopf zu verlieren.“
Auf das Thema Aggressionen und Stress, eine leider zunehmende Realität für Beschäftigte im Notfallbereich, antwortet Clauser wie folgt: „Auch ich habe Aggressionen und stressige Situationen erlebt und erlitten. Nach einem Übergriff bleibt ein Gefühl der Unruhe zurück, das die Konzentration beeinträchtigt.“
Gleichzeitig würdigt und betont er die Fortschritte, die der Gesundheitsbezirk unternommen hat, um diesen Vorfällen entgegenzuwirken: „Der Gesundheitsbezirk ist immer aufmerksamer, sowohl durch technische Hilfsmittel als auch durch die Anwesenheit von Sicherheitspersonal.“
Über den neuen Abschnitt seiner beruflichen Laufbahn erzählt Clauser, dass er sich auch aus persönlichen Gründen für einen Wechsel entschieden habe: „Bozen zu verlassen war zugleich der schönste und der schwierigste Moment. Ich habe um mich herum viel Zuneigung gespürt, und das lässt einen erkennen, dass man gute Arbeit geleistet hat. In Bruneck wurde ich dann außergewöhnlich herzlich aufgenommen, und ich fühle mich hier sehr wohl bei der Arbeit.“
Abschließend fasst er seine persönliche Vision davon zusammen, was ein Pflegekoordinator leisten sollte: „Er muss für sein Team arbeiten. Wenn es dem Team gut geht, profitieren auch die Patientinnen und Patienten davon.“
Rocco Leo/Übersetzung Sabine Flarer