Talent Pool: Interview mit Martina Weis
Was war für Sie der ausschlaggebende Grund, sich für diesen intensiven, fast zweijährigen Lehrgang zu bewerben – und wurden Ihre Erwartungen erfüllt?
Mein Wunsch ist es, künftig als Koordinatorin tätig zu sein. Nach meinem Masterstudium „Management per le funzioni di coordinamento nell’area delle professioni sanitarie” wollte ich mich gezielt auf diese verantwortungsvolle Aufgabe vorbereiten. Deshalb habe ich mich bewusst für diesen Lehrgang entschieden.
Rückblickend wurden meine Erwartungen sogar übertroffen. Besonders wertvoll waren für mich der Austausch mit den anderen Teilnehmenden, die Einblicke in die verschiedenen Bereiche des Sanitätsbetriebs, das Kennenlernen ihrer Verantwortlichen und ihrer Aufgaben, sowie der vielfältigen Werkzeuge und Kompetenzen, die für eine Führungskraft wichtig sind. Auch die Praktika, die Gespräche mit meinem Mentor, den erfahrenen Führungskräften sowie die Reflektionsgespräche mit der PDL haben meinen Horizont erweitert und mich in meinem Wunsch bestärkt, künftig Verantwortung als Koordinatorin zu übernehmen.
Ein zentrales Element war das Praktikum in einer fachfremden Abteilung. Welches Erlebnis dort hat Ihren Blick auf die tägliche Arbeit der anderen Berufsgruppen am stärksten verändert?
Ich habe mein Praktikum im Gemeinschaftshaus Naturns absolviert. Dabei hatte ich das Glück, nicht nur die Krankenpflegerinnen und Krankenpfleger in ihrem Arbeitsalltag zu begleiten, sondern auch dem Koordinator über die Schultern schauen zu dürfen. Sehr spannend fand ich, die Umwandlung vom Sprengel zum Gemeinschaftshaus hautnah mitzuverfolgen.
Mich hat beeindruckt, wie strukturierte Planung, offene Kommunikation und die Einbindung des Teams durch die Führungskraft zum Erfolg solcher Projekte beitragen. Besonders hervorheben möchte ich das große Engagement des Teams, das nach der erst kürzlich eingeführten familienzentrierten Pflege auch diese Neuerungen mit viel Motivation und Professionalität zum Wohle der Bürgerinnen und Bürger mitgetragen hat.
Pflege, Ärzteschaft und Verwaltung saßen gemeinsam an einem Tisch. Bei welchem Thema haben Sie überrascht festgestellt, dass Sie eigentlich alle mit denselben Hürden kämpfen?
Ich habe festgestellt, dass Führungskräfte, unabhängig davon, ob sie aus der Pflege, der Ärzteschaft oder der Verwaltung kommen, oft vor denselben Herausforderungen stehen. Mitarbeitermotivation, Konfliktsituationen im Team, die Umsetzung von Veränderungen sowie der Umgang mit bürokratischen Hürden beschäftigen alle gleichermaßen. Ich habe den gemeinsamen Austausch als große Bereicherung erlebt, da er das gegenseitige Verständnis stark gefördert und neue Perspektiven eröffnet hat.
Wie hat sich Ihr ganz persönliches Bild davon, was eine „gute Führungskraft“ im Gesundheitswesen ausmacht, durch das Programm gewandelt?
Der Lehrgang hat mein Bild einer guten Führungskraft vor allem bestätigt und verstärkt. Für mich bedeutet gute Führung, mit gutem Beispiel voranzugehen, offen und transparent zu kommunizieren, Mitarbeitenden wertschätzend und anerkennend zu begegnen sowie reflektiert und verlässlich zu handeln. Ebenso wichtig sind analytisches Denken, Flexibilität und Integrität.
Gibt es eine konkrete Situation aus Ihrem Arbeitsalltag der letzten Monate (z. B. ein Konflikt oder ein schwieriges Gespräch), in der Sie das neue Werkzeug aus dem Lehrgang direkt erfolgreich anwenden konnten?
Ich durfte eine Stationssitzung zum Thema „Anliegen des Teams“ leiten und konnte dabei einige der im Lehrgang erlernten Werkzeuge direkt anwenden. Hocherfreut war ich über die positive Rückmeldung der Kolleginnen zur Moderation und Gestaltung der Sitzung. Auch wenn nicht für alle angesprochenen Themen eine Lösung gefunden werden konnte, hatten die Kolleginnen das Gefühl gehört, verstanden und ernst genommen zu werden. Das hat mir nochmals gezeigt, wie wichtig eine offene und wertschätzende Kommunikation ist.
Welche eigene Stärke haben Sie während der Module an sich selbst entdeckt oder weiterentwickelt, die Ihnen vorher gar nicht so bewusst war?
Während des Kommunikationskurses wurde mir bewusst, dass ich in vielen Situationen bereits intuitiv die richtigen Worte gefunden und gut reagiert hatte. Dadurch wurde mir meine Stärke in der Kommunikation bewusster. Riesig gefreut hat mich, dass diese Wahrnehmung auch von meinen Kolleginnen bestätigt wurde.
In Ihrer Abschlussarbeit haben Sie sich intensiv mit eigenen Konzepten beschäftigt. Welche konkrete Idee daraus würden Sie am liebsten ab morgen bei uns im Betrieb umsetzen?
Es war für mich ein großes Geschenk, dass ich während des Talentepools zur Vize-Koordinatorin ernannt wurde. Dadurch konnte ich bereits verschiedene erlernte Konzepte und Werkzeuge in der praktischen Vertreterfunktion anwenden. Besonders angesprochen hat mich ein Ansatz aus dem LEAH-Kurs: vom „Jammerpool“ in den „Einflusspool“ zu kommen. Dabei geht es darum, den Fokus, auf das zu legen, was wir gemeinsam beeinflussen, verändern und verbessern können, anstatt bei den Problemen stehen zu bleiben. Dieser Gedanke begleitet mich seither im Arbeitsalltag.
Sie wurden von erfahrenen Führungskräften begleitet. Welcher Rat oder welcher Satz Ihres Mentors ist Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben?
Nachhaltig beeindruckt hat mich die Überzeugung, dass gute Führung ein Umfeld schafft, in dem Menschen gerne arbeiten und ihre individuellen Stärken optimal entfalten können. Dieser positive Blick auf die Potenziale jedes Einzelnen hat mich sehr angesprochen.
Berufsbegleitend zu lernen, ist eine enorme Leistung. Was war für Sie die größte Herausforderung in dieser Zeit und wie haben Sie sie gemeistert?
Für mich war der Lehrgang weniger eine Herausforderung als vielmehr eine große Bereicherung. Die Kurse waren echte Kraft-Oasen und eine wertvolle Abwechslung zum Arbeitsalltag. Ich habe mich ehrlich über jeden Kurs bzw. Praktikumstag gefreut, neues Wissen gewonnen, Erfahrungen ausgetauscht und viele interessante Menschen des gesamten Südtiroler Sanitätsbetriebes kennengelernt. Das hat mir die nötige Motivation gegeben, die intensive Zeit mit Freude zu meistern.
Welchen Tipp würden Sie Kolleginnen oder Kollegen geben, die überlegen, sich für den nächsten Durchlauf des „Talent-Pools“ zu bewerben?
Ich möchte allen Mut machen, sich zu bewerben, wenn sie sich für das Thema Führung interessieren. Der Lehrgang gibt einen interessanten Einblick in das Räderwerk des Südtiroler Sanitätsbetriebes, eröffnet spannende Blicke hinter die Kulissen und fördert den Austausch mit vielen engagierten Menschen. Besonders die Praktika waren für mich eine wertvolle Erfahrung und haben mir ein gutes Verständnis für die vielfältigen Aufgaben einer Führungskraft vermittelt.
Bitte vervollständigen Sie die kurzen Statements:
Vor dem Lehrgang dachte ich dass es bei Führung vor allem um … geht,
Organisation, Entscheidungen und Verantwortung
Heute weiß ich, das Wichtigste ist …
...eine offene und ehrliche Kommunikation sowie die Fähigkeit Menschen zusammenzubringen, ihre Stärken zu fördern und sie für gemeinsame Ziele zu begeistern
Damit aus Medizin, Pflege und Verwaltung ein richtig gutes Team wird, braucht es für mich vor allem …
...gegenseitige Wertschätzung, Verständnis, Respekt und eine lösungsorientierte Zusammenarbeit auf Augenhöhe
Auch wenn ich schon lange im Betrieb bin – mein größter Aha-Moment, bei dem ich wirklich noch etwas ganz Neues gelernt habe, war …
...als ich im integrierten Tätigkeits- und Organisationsplan des Südtiroler Sanitätsbetriebes (PIAO) über den veganen Tag in der Mitarbeitermensa gestolpert bin. 😉 Damit hätte ich an dieser Stelle wirklich nicht gerechnet.